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Jahrgang 2015 Nummer 36

Heiliger Magnus – Apostel des Allgäus

Zum 1245. Todesjahr des Heiligen am 6. September

Maginold (links) folgt dem heiligen Gallus, einem Schüler des Columban – Fresko in der Magnuskrypta der Stadtpfarrkirche St. Mang in Füssen, um 980.
Kaiser Claudius (41-54) als Jupiter mit Kranz, Zepter, Opferschale (patera) und Adler.
Königs- oder Torhalle des Klosters Lorsch, Mitte des 9. Jahrhunderts. Oben: Dreiecksgiebel, kannelierte Pilaster, unten Akanthus-Kapitell auf Pilaster (Westseite).
Buntes Außendekor, das aus der Kombination einer römischen Mauertechnik und dem wirkungsvollen Farbwechsel der Bausteine erzielt wird. (Fotos: Ch. Klam)

An der Stelle, wo die bedeutende von der Adria und den Ebenen des Po nach Augsburg und an die Donau führende Staatsstraße, die von Kaiser Claudius im Jahr 46/47 nach Christus fertiggestellte Via Claudia Augusta, sich durch die majestätischen Tannheimer- und Ammergaueralpen nach Norden zwängt und am Ufer des Lechs südlich des fürstbischöflichen Schlosses (Hohes Schloss) in Füssen vorbei zieht, wird ein römischer Militärposten der frühen Kaiserzeit vermutet – archäologische Spuren im Areal des Benediktinerklosters St. Mang fehlen indes bislang. Dennoch ist es gut möglich, dass dort eine mittelkaiserzeitliche Straßenstation (mansio) im 2. bis 3. Jahrhundert existierte. Auf diese Relaisstation weist eine Inschrift im Kloster hin.

Es ist die Königsecke von Füssen, der Stadt am Austritt des Lechs aus den Alpen. Noch gab es kein Neuschwanstein und Hohenschwangau, keine Barockkirche St. Coloman bei Schwangau und kein fürstbischöfliches Schloss 831 Meter über der Stadt, als hier die Via Claudia verlief. Bei Grabungen auf dem dreiseitig steil abfallenden, 40 bis 60 Meter breiten Sporn des Schlossbergs stießen Archäologen auf massive Fundamente eines spätrömischen Kastells aus dem 5. Jahrhundert. Im Schlosshof entdeckten Experten antike Keramik. Unweit der Klosterkirche St. Mang konnten sie drei spätrömische Frauengräber bergen. Überdies ist uns ein schriftliches Zeugnis – die notitia dignitatum (»Handbuch«) – erhalten, in dem ein Forum Foetibus/Foetes als Standort einer Abteilung der legio III Italica verzeichnet ist. Hier hatte der Präfekt – der dritthöchste Offizier der Legion –, sein Quartier. Er war als sogenannter »Verwaltungschef « an den Fuß des Seefeldersattels abkommandiert worden, um den benötigten Nachschub in das süddeutsche Voralpenland zu organisieren. Mit Foetibus hatten die Römer ihr Militärlager bezeichnet. Ab dem 8. Jahrhundert nannten die Benediktiner von St. Mang den Ort ihres Kloster »ad Fauces« (= an der Schlucht). 1175 erschien dann der deutsche Name Fozen. Hieraus entwickelte sich der Ortsname über Fuozzen – Füzzen – ab 1424 zum heutigen Füssen. Seine prädestinierte Lage am Lech und an der Via Claudia machte die gesamte Region auch für die Ausbreitung des christlichen Glaubens interessant.

Alemannen erobern die Provinz Rætien und die Vita des hl. Magnus

Nach dem Abzug der Legionäre nahmen Alemannen die römische Provinz Rætien in ihren Besitz. Aus diesem Stamm war wahrscheinlich ein gewisser Maginold gebürtig, der allerdings ebenso gut auch ein Rätroromane gewesen sein könnte? Als Sankt Mang wird er zum Apostel des Allgäus. Aufgrund seines unermüdlichen Missionseifers und seiner Wundertaten avanciert er später zu Magnus dem Großen, der im Süden des Bistums Augsburg zum Heiligen einer ganzen Region werden wird. Über das Leben des rastlosen Missionars berichtet uns die um das Jahr 830 verfasste Vita S. Magni Faucensis vetus – »das Leben des heiligen Magnus aus dem alten Füssen« – in 28 Kapiteln.

Die Zahl 28 galt im Mittelalter als »numerus perfectus«, als vollkommene Zahl, da die Summe ihrer Teiler (1+2+4+7+14 = 28) wiederum die Zahl 28 ergibt. Vermutlich wurde die Vita auf Veranlassung der Augsburger Bischöfe mehrfach erneuert und mit Mirakeln und Versatzstücken aus anderen Heiligenlegenden ausgeschmückt. Ihre uns heute überlieferte Form dürfte die Lebensbeschreibung gegen Ende des 9. Jahrhunderts erhalten haben. Allerdings wurde sie bis in die Barockzeit ständig erweitert. Ihr Ziel ist es, uns die tief religiöse Gottgläubigkeit des Maginold vor Augen zu führen, sodass sie weniger als ein Tatsachenbericht, sondern eher als eine symbolhafte Erzählung verstanden werden will.

Maginold’s Jugend – als Einsiedler in St. Gallen

Es war die Zeit der Missionierung im ehemaligen Rætien als Maginold um das Jahr 699/700 das Licht der Welt erblickte. Über sein Elternhaus und seine Jugend wissen wir nichts. Als Maginold zum Manne herangereift war, begab er sich mit weiteren Einsiedlern nach St. Gallen in die heutige Ostschweiz, wo sich ein blühendes Zentrum der benediktinischen Lehre befand. Darüber hinaus zog dort das Grab des irischen Missionars St. Gallus – »der Kelte«, (gestorben 614) – wie ein Magnet gläubige Menschen an, von denen viele als Asketen dem Vorbild des Heiligen folgen wollten. Zu dieser puritanischen Pilgerschar gehörte auch Maginold. In St. Gallen lebte er bis um das Jahr 730 in einer vergleichbaren Klausnerei. In seiner kargen Zelle erreichte ihn der Ruf des damals in Epfach am Ufer des Lechs residierenden Bischofs Wikterp (Wiggo) von Augsburg, der Verbreitung des christlichen Glaubens im Allgäuer Land zu dienen. Da ein Auftrag von solch einer Dimension besser gemeinsam bewerkstelligt werden kann, begleiteten Maginold zwei Gefährten – Theodor und Tozzo – auf dessen heikler Missionsreise. Das Missionierungsgebiet der drei frommen Hirten war das Ostallgäu zwischen oberer Iller und dem Lech. Möglicherweise stand die Bitte des Bischofs in Verbindung mit dem couragierten Kampf der Alemannen und Bajuwaren um ihre Unabhängigkeit von dem damals die Volksstämme dominierenden fränkischen Geschlecht der Merowinger (les Mérovingiens).

Sankt Magnus begibt sich auf seiner Missionsreise nach Cambodunum

Mit dem Stab des heiligen Gallus den Magnus – wie wir ihn nun nennen wollen – auf seinen Missionswanderungen stets mit sich führte, soll er wilde Bären, Schlangen, Drachen und Dämonen, die den Bewohnern zusetzten, vertrieben haben. Zunächst kam er nach Bregenz an das Ostufer des Bodensees. Nach der Legende heilte der gottbegnadete Seelsorger dort einen Blinden, der ihm mit den Worten dankte: »Magnus es tu et magna opera tua!« (Groß bist Du und Deine Arbeit ist groß) und fortan mit ihnen weiter zog. Zu viert gelangten sie in die verlassene Handelsstadt Kempten, die unter Kaiser Claudius (gestorben 54 nach Christus) als Cambodunum mit einem repräsentativen Forum, einer Basilika (ursprünglich »Markt- & Gerichtshalle«), einem gallorömischen Tempelbezirk und prächtigen Thermen ausgestattet worden war.

Cambodunum war ein florierender Umschlagplatz des Handels zwischen Italien und den Nordprovinzen des Reiches gewesen. Die Ware – die über den Bündner- und den Fernpass auf robusten Saumtieren nach Kempten gelangte –, wurde hier gestapelt und umgeladen, ehe man sie auf Wagen und kräftige Tragpferde weiter verfrachtete. Insofern ist die Bedeutung der antiken Handelsmetropole im Grundriss der Stadt nicht zu übersehen: die Relikte der Kontore, Speicher (horrea) und Höfe mit Ställen und Schlafkammern für die Knechte (servi) sind noch heute im Straßenbild des Archäologischen Parks Cambodunum erkennbar. Demzufolge waren die Einwohner des prosperierenden Marktortes mittelgroße Handwerker (fabri), Gewerbetreibende, Kaufleute (mercatores), Lagerverwalter und Gastwirte (caupones). Mit den Römern waren damals wohl auch die ersten Christen nach Cambodunum gelangt. Doch mit dem Ende der Römerzeit verwilderte das Land, Wanderer mieden es aus Angst vor Drachen, Schlangen und höllischen Geistern. Die Menschen litten schwere Not, sodass die verbliebene gallorömische Bevölkerung und alemannische Neusiedler wie ausgehungerte Bären in den Wäldern hausten. Aus diesem Grund soll Magnus der Überlieferung nach in Kempten auf Ungeziefer, Gewürm und Schlangen getroffen sein, deren Anführer – eine große Boa – er tötete.

Anschließend wirkte der Apostel in Cambodunum zusammen mit seinem Freund und Gefährten Theodor, (um 740). Aus ihrer spartanischen Zelle, die aber nicht in den Ruinen der antiken Stadt, sondern am jenseitigen Illerufer lag, entwickelte sich im Jahr 752 die älteste Benediktinerabtei des Allgäus und als karolingisches Eigenkloster eines der einflussreichsten im ganzen Frankenreich (Regnum Francorum). Noch heute würdigt Kempten die Missionstätigkeit des Achtung gebietenden Glaubensboten mit dessen Namen im Stadtteil Sankt Mang. Mit der katholischen Stadtpfarrkirche und Basilica minor Sankt Lorenz des 1803 säkularisierten Klosters besitzt die Illerstadt ein kostbares Juwel, das als Wiege des Süddeutschen Barocks des 17./18. Jahrhunderts zählt, während die schlichtere evangelische und zweite Stadtpfarrkirche Sankt Mang noch aus der Zeit der Spätgotik des 15. Jahrhunderts stammt.

Sankt Magnus missioniert in Füssen und legt die Klosterzelle Salvator Mundi an

Aber nicht nur Cambodunum, sondern das gesamte Allgäu war der Wirkungskreis des gottgefälligen Geistlichen. Während Theodor mit dem Geheilten in Kempten zurückblieb, zog der Pilger mit Tozzo weiter. In Roßhaupten (caput equi) überwand Magnus einen feuerspeienden Drachen, in Waltenhofen, dem heutigen Ortsteil Schwangau bei Füssen, errichtete er sich im Jahre 746 eine schmucklose Zelle und ein Oratorium zu Ehren Mariens und des Märtyrers Sankt Florian (gestorben 304). Dort ließ er Tozzo als Seelenhirten zurück, um allein weiter in die mysteriöse Wildnis des Füssener Landes vorzudringen. Tozzo wird um das Jahr 772 als Nachfolger von Wikterp zweiter sicher belegbarer Bischof von Augsburg werden.

In Füssen ließ der andächtige Gottesmann sich auf dem Areal des alten römischen Kastells Foetes nieder (um 748). An der Stelle wo antike Ingenieure eine Brücke über den reißenden Fluss konstruiert hatten – nur wenige Meter vom Lechufer entfernt – erbaute Magnus ein prunkloses Bethaus und eine Kapelle, die er dem »göttlichen Erlöser« – Salvator Mundi weihte und in der er sein gewohntes Eremitendasein fortführte. Mit missionarischem Eifer predigte er dort das Evangelium. Magnus’ Erfolg war so groß, dass der erste Karolinger und spätere Vater Kaiser Karls des Großen, der Frankenkönig Pippin III., der Jüngere (geboren 714), dessen Klosterzelle durch lukrative Schenkungen aus dem Kaltensteiner Gau beziehungsweise altschwäbischem Herzogsgut privilegierte. Durch den Zuzug weiterer Mönche entwickelte sich daraus in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts das nach dem eloquenten Prediger benannte Benediktinerkloster Sankt Mang, auch ein fränkischer Königshof (curtis regia; villa regia) wurde angelegt.

Der heilige Mangnus vertreibt die Lechgeister

Rasch gelangte der fromme Einsiedler in den Ruf, auch Wunder zu vollbringen. Demzufolge pilgerten immer mehr Gläubige nach Füssen, um dem mitfühlenden Diener Gottes persönlich zu begegnen und geistlichen Beistand von ihm zu erfahren, da in den Bergen bärbeißige Drachen und im wilden Lechschlund (Fauces) die gefürchteten Lechgeister ihr Unwesen trieben. Hierüber berichtet uns die Magnusvita: Als der Heilige um die Mittagszeit ruhen wollte, hörte er plötzlich grimmige Dämonen vom Gipfel des nahen Berges und am Ufer des Lechs schreien: »Macht euch auf und kommt uns zu Hilfe und lasst uns diesen schlimmen Pilger vertreiben, denn er hat unsere Abbilder vernichtet und das Volk, das uns folgte, zu sich hingewendet, überdies hat er auch unsere Drachen getötet.« Nachdem der selige Magnus dies gehört hatte, schützte er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes und rief den niederträchtigen Dämonen zu: »Ich beschwöre euch im Namen meines Herrn Jesus Christus und durch die Verdienste seines heiligen Bekenners Gallus, dass ihr von diesem Ort weichet und nicht mehr hier bleibt noch euch herausnehmt irgend jemanden, der hier weilt, zu verletzen.«

Nach diesen Worten kehrte der beherzte Apostel zurück und berichtete alles, was er an jenem Ort gehört hatte. Als die Gemeinde das abendliche Lob singen wollte, wurden die Schreie der bösartigen Dämonen über den schneebedeckten Gipfeln der Berge gleichsam zu Wehklagen der Scheidenden. Darauf warfen sich die andächtigen Männer zum Gebet nieder und dankten Gott, dass er sie vom Schrecken der dämonischen Geister befreit hat.

In Anerkennung seiner Wundertaten weihte Bischof Wikterp Magnus, der bislang nur ein einfacher Diakon gewesen war, zum Priester und vermachte ihm testamentarisch die Füssener Zelle zu dessem Besitz. In den kommenden 25 Jahren lebte er als barmherziger Prediger und Seelenhirte in Füssen. Peu-à-peu baute er seine bescheidene Klause zu einem richtungsweisenden Kloster aus, verbreitete die christliche Lehre und wirkte weitere Wunder – wie Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, etc. Außerdem soll der agile Eremit einen hungrigen Bären gezwungen haben, von seinen Äpfeln abzulassen. Gleichwohl zeigte er der verarmten Bevölkerung auch die Möglichkeit Eisenerze zu schürfen, vielleicht in alten, wieder entdeckten keltischen Erzgruben?

Interpretation der Wundertaten des Apostels des Allgäus

Sankt Magnus Wunder sind als Symbole für die Überwindung von Widerständen und Feindseligkeiten zu deuten. Die im alemannischen Volk damals noch latenten heidnischen Vorstellungen – die in den Fabelwesen das Böse verkörperten und den jungen christlichen Glauben bedrohten –, sollen durch Magnus fromme Taten überwunden worden sein. In diesem Sinne muss der Mensch der Neuzeit seine Legende interpretieren. Darüber hinaus dürfen wir auch nicht vergessen, dass es nach der Völkerwanderung bis weit ins hohe Mittelalter hinein in den Ländern nördlich der Alpen noch reichen Wildbestand gab und dass Raubtiere wie Bären, Eber und Wölfe keine Seltenheit waren. So mag die Magnus Legende zwar ausgeschmückt worden sein, aber dennoch einen wahren Kern besitzen. Leider ist die historische Gestalt des Magnus’ im Kleid der Fabel nur schemenhaft für uns erkennbar.

Tod des Heiligen und seine Überführung in die Krypta der Stiftskirche Sankt Mang

An einem Sonntag, dem 6. September – vermutlich 770 oder 772 – verstarb der außergewöhnliche Kleriker in Füssen. Magnus’ Mönchsgemeinschaft verfiel zunächst nach dem Tode des Bischofs Wikterp (gestorben um 772). Sie wurde erst um das Jahr 850 vom Augsburger Ordinarius Lanto (Hanto) wiederbegründet.

Bischof Lanto (833 bis 60) ließ mit der Zustimmung des Mainzer Erzbischofs Otgar den Leib des »Patrons des Allgäus« circa 75 Jahre nach dessem Tod in die einzigartige Umgangskrypta der neu erbauten Kapelle der Stiftskirche Sankt Mang überführen, (845). Aufgrund der Erhebung seiner Gebeine wurde Magnus der verdiente Rang eines Heiligen zuerkannt.

Die von sechs Säulen getragene Gruft mit ihrem tonnengewölbten Umgang unterhalb der Füssener Stiftskirche ist bemerkenswert und eine architektonische Seltenheit, da sie uns den Baustil und den Geist der spätkarolingischen Zeit vermittelt. Vergleichbare rare Architektur aus jener Epoche ist in der berühmten Königshalle der einstigen Reichs- und Benediktinerabtei Lorsch an der Bergstraße erhalten, die vermutlich in der Mitte des 9. Jahrhunderts unter König Ludwig dem Deutschen (gestorben 876) errichtet worden war und die seit 1991 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Eine Platte weist auf das Magnus-Grab hin, in dem allerdings keine Gebeine mehr aufgefunden wurden. Vielleicht war sein Leib schon im Zuge der Ungarneinfälle und der legendären Schlacht auf dem Lechfeld – dem größten militärischen Sieg Kaiser Ottos des Großen – nach 955 abhanden gekommen? Einige seiner Reliquien – darunter ein kunstvoller Kelch und ein Stab – waren bereits zuvor zwischen 896 bis 98 in das südhessische Reichskloster Lorsch und nach St. Gallen gelangt.

Im 18. Jahrhundert schuf der bekannte Füssener Barockbildhauer Anton Strum eine formvollendete Plastik des Heiligen, die in der Magnuskrypta ihren Platz fand. Sensationell war die Entdeckung und Freilegung eines Freskos an der Wand der Krypta im Jahr 1950, das zu den großen Kostbarkeiten der frühmittelalterlichen Wandmalerei aus ottonischer Zeit des 10. Jahrhunderts in Bayern gehört. Es zeigt den jungen Apologeten Maginold hinter dem heiligen Gallus, beide in schreitender Bewegung und in der Handhaltung des Gebens für die empfangenen Menschen. Die stilistischen Merkmale des in Secco-Technik ausgeführten Wandbildes weisen zweifelsohne auf eine enge Verwandtschaft zur Buchmalerei der Meister der Reichenauer Schule hin, die beispielsweise das erlesene Evangeliar Kaiser Ottos III. um das Jahr 1000 anfertigten.

Verehrung des heiligen Magnus in heutiger Zeit

Sankt Magnus wird als Apostel des Allgäus auch in der Schweiz, in Tirol sowie in Altbayern und Oberschwaben hoch verehrt und teilweise zu den Nothelfern gegen Schädlinge und Plagen gezählt. Allein im Allgäu sind 22 Kirchen und Kapellen, zahlreiche Orts- und Flurnamen, ein Wasserfall, das Mangenfallgebirge, die Mangenmühle bei Roßhaupten, der »Mangen-Sessel« sowie der »Mangentritt« nach dem Heiligen benannt.

Von der spätromanischen Klosterund heutigen katholischen Stadtpfarrkirche Sankt Mangus in Schussenried – früher auch in Wangen im Allgäu – wird ein silberner, spätgotischer Sankt-Mang-Stab, der ein Teil des Stabes ist, der dem Missionar zugeschrieben wird, bei Bittprozessionen gegen Wetterunbilden über die Felder getragen. Im Zusammenhang mit der Ernte gibt es zudem lehrreiche Bauernregeln, die an den rechtgläubigen Pilger erinnern:

»Wie’s Wetter ist am Magnus-Tag / es vier Wochen bleiben mag.« »St. Mang / schlägt’s Kraut mit der Stang.« »St. Mang / säht den ersten Strang.«

Das Kloster Sankt Mang wurde 1802 im Zuge der Napoleonischen Kriege und der Säkularisation aufgelöst. Damals nahm das altehrwürdige Fürstenhaus Oettingen-Wallerstein die Herrschaft Sankt Mang in ihren Besitz, die Stadt Füssen kam zum Kurfürstentum Bayern. Heute liegt Füssen am Ende der »Romantischen Straße«. Jetzt gehört das Kloster der Stadtverwaltung und dient als Rathaus. Nicht nur im Allgäu, wo der Name »Magnus« als Vorname noch immer sehr beliebt und weit verbreitet ist, sondern bis nach Österreich hält die Verehrung des Heiligen ungebrochen an. Last but not least gilt er sogar als »Nothelfer aller Germanen« als Germanorum communis Auxilator. Sein Gedenktag ist der 6. September.


Christian Klam

 

36/2015