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Jahrgang 2012 Nummer 34

Heiliger Ludwig, König von Frankreich

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Der heilige Ludwig war wahrhaft ein König, denn er wusste nicht bloß andere, sondern auch sich selbst zu beherrschen. Mitten im Hofleben war er rein wie ein Engel, strenge im Fasten und in Bußübungen wie ein Einsiedler, ein Cherub vor dem allerheiligsten Sakramente; Almosen geben war seine Leidenschaft, Aussätzige bedienen – seine Erholung, Feinden verzeihen – die Wonne seiner Seele. Dies alles hatte Ludwig von seiner heiligen Mutter Blanca gelernt, welche ihrem Söhnlein in der Jugend sagte: »Ich liebe dich gewiss mit aller Zärtlichkeit, die eine Mutter gegen ihr Kind haben kann. Aber lieber wollte ich dich auf der Totenbahre liegen und des väterlichen Thrones beraubt sehen, als mit einer einzigen schweren Sünde befleckt«. Wie seine leibliche, so verehrte Ludwig auch seine geistliche Mutter, die katholische Kirche, über alle Maßen und war ihr getreuester Sohn. Er war so dankbar und schätzte sich so glücklich als Katholik, dass er sich oft nur unterschrieb: »Ludwig von Poissy«. Das war nämlich der Ort, wo er durch die heilige Taufe ein Kind der Kirche geworden war. Ludwig war ein besonderer Verehrer der Leiden des Herrn und kaufte von den Benezianern um hohe Summen die wahre Dornenkrone sowie eine große Kreuzpartikel und schmückte damit die heilige Kapelle zu Paris. Zu seiner größten Ehre schätzte er es, ein Sohn des heiligen Franziskus im dritten Orden zu sein, und lebte auch in strenger Buße. Er trug ein Cilicium unter dem Purpur und fastete an Freitagen bei Brot und Wasser. Auf dem Todbette gab Ludwig seinem Thronfolger unter anderen auch folgende väterliche Ermahnung, die wir uns merken sollen als heilsame.

Lehre. »Treuer Sohn! das erste, was ich dir empfehle, ist, dass du vor allem Gott von deinem ganzen Herzen liebest, nur Ihm lebest und eher Leiden und Mühseligkeiten zu tragen bereit ist, als dass du eine Todsünde begehest. Denke an Gott an jedem Ort, zu jeder Zeit und vergiss nicht, dass er dich beobachtet«.

Gebet. Gott, der du deinen heiligen Bekenner Ludwig vom irdischen Throne zur Herrlichkeit des himmlischen Reiches erhoben hast, wir bitten, du wollest durch seine Verdienste und Fürbitte uns schenken die Gemeinschaft des Königs der Könige, Jesu Christi, deines Sohnes. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

 

34/2012