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Jahrgang 2016 Nummer 13

Heiliger Ludgerus, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Ludgerus (= vom Volke geliebt), ein edler Friese, geb. 744, wurde vom Abte Gregorius im Kloster Utrecht erzogen. Alle Schüler liebten ihn wegen seiner Sanftmut, Freundlichkeit, Klugheit und Bescheidenheit. Er ging als Glaubensprediger nach Friesland. Nach Bekehrung vieler Heiden wurde seine Tätigkeit durch die einfallenden Sachsen gehemmt. Nachdem Kaiser Karl der Große die Sachsen überwunden hatte, kehrte Ludgerus zurück und erneuerte seine Missionstätigkeit. Dann predigte er das Evangelium des Westfalen und erbaute ein ansehnliches Münster, welches der heutigen Stadt Münster Entstehen und Namen gab. Der Heilige wurde zum Bischofe geweiht und gründete das Kloster Werden sowie Helmstedt. Unermüdet in Verkündigung des Evangeliums vergaß er seine eigene Heiligung nicht. Der heilige Bischof war sanft, herablassend und freigebig gegen die Armen. Öfter wurde er von körperlichen Leiden heimgesucht und starb zu Billerbeck den 26. März 809 selig im Herrn. Sein Leib wurde in der Klosterkirche zu Werden beigesetzt. Das Grab des Heiligen wurde eine förmliche Wallfahrt, weil Gott daselbst auf dessen Fürbitte viele Wunder wirkte. In Werden besteht auch eine Bruderschaft zu Ehren des heiligen Ludgerus. Auf dem Bilde sind dem Heiligen zwei Wildgänse als besonderes Kennzeichen beigegeben, weil er diese schädlichen Vögel aus mehreren Gegenden vertrieben hat.

Lehre. Kaiser Karl der Große berief eines Morgens den heiligen Bischof durch einen Kammerdiener zu sich. Da dieser jedoch gerade beim Gebete war, so ließ er den Kaiser warten. Deswegen empfing ihn der Kaiser ziemlich ungehalten und fragte ihn, warum er nicht gleich erschienen sei. Der Heilige gab zur Antwort: »Weil ich glaubte, den Dienst Gottes auch dir, o Kaiser, und allen Menschen vorziehen zu müssen.« Aus dieser Antwort erkannte der Kaiser die hohe Tugend des Heiligen und schätzte ihn noch höher. – Vernachlässige, o Christ! den Dienst Gottes nicht und halte beim Gebete alle ungeeigneten Gedanken fern.

Gebet. O Gott, der du den heiligen Ludgerus deinem Volke zum Diener des Evangeliums gegeben hast: wir bitten dich, verleihe uns, dass wir an ihm, den wir auf Erden zum Lehrer gehabt haben, einen Fürsprecher im Himmel zu haben verdienen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

13/2016