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Jahrgang 2015 Nummer 40

Heiliger Leodegarius, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Leodegar (= Ludgerus = Beschützer des Volkes) entspross 616 einer berühmten Familie in Frankreich. Im Jahre 661 wurde er Bischof von Autun. Er stellte Frieden und Ordnung her, spendete viele Almosen, bereicherte Kirchen und ließ auch die Stadtmauern erneuern. Längere Zeit befolgte der König Childerich II. die Ratschläge des heiligen Bischofs, wurde aber des eifrigen Mahners überdrüssig und verbannte ihn in das Kloster Luxueil. Nach der Ermordung des Königs 673 wurde der Heilige wieder frei. Aber der ehemalige gottlose Reichsregent Ebroin hatte ihm tötliche Feindschaft geschworen und ließ die Stadt belagern. Der Heilige übergab sich freiwillig in die Hände seiner Feinde. Zuerst stachen sie ihm die Augen aus; dann sollte er in einem Walde verhungern. Man erbarmte sich seiner und führte ihn in ein Kloster. Leodegar aber wurde aus dem Kloster gerissen und über Felsen geschleift. Dann schnitt man ihm die Lippen und einen Teil der Zunge ab. Der Graf Manning musste ihn bewachen; er brachte ihn aber in das von ihm gestiftete Kloster Fecamp. Dort heilten seine Wunden, und er erhielt die Sprache wieder, was für ein Wunder angesehen wurde. Täglich brachte der heilige Bischof das heilige Opfer dar, belehrte die Nonnen und betete ohne Unterlass. Als er vernahm, dass mehreren seiner Feinde großes Unglück zugestoßen sei, hatte er inniges Mitleid. Ebroin beschuldigte nun den Heiligen und dessen Bruder Gerinus, Statthalter von Poitu, der Mitwissenschaft am Morde des Königs. Er ließ diesen ungeachtet seiner Verteidigung an einen Pfahl binden und steinigen. Der heilige Leodegar wurde seines Bistumes entsetzt und in einem Walde enthauptet den 2. Oktober 678.

Lehre. Der heilige Gregor der Große sagt: »Die Zunge ist die Pforte des Geistes«. Wie viel Unheil entsteht, wenn man die Zunge nicht beherrscht, oder sie absichtlich missbraucht!

Kirchengebet. O Gott, der du deinen heiligen Martyrer Leodegarius im Kampfe geprüft, bewährt gefunden, im Leiden gestärkt und ihn am heutigen Tage in die himmlischen Freuden gnädig aufgenommen hast: verleihe uns, deinen Dienern, dass, da wir der ewigen Herrlichkeit unwürdig sind, wir durch dessen Fürbitte die Verzeihung unserer Sünden zu erlangen verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

40/2015