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Jahrgang 2020 Nummer 15

Heiliger Leo I., Papst und Kirchenlehrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Leo (= Löwe, mutig), Sohn vornehmer Eltern, wurde (um 400) in Rom geboren. Wegen seiner Klugheit, Gelehrsamkeit und Rednergabe wurde Leo 440 zum Papste erwählt. Er predigte selbst sehr oft und betonte besonders das Fasten und Almosengeben. Viele Ungläubige wurden durch ihn bekehrt. Während im Morgenlande verschiedene Sekten Unheil anrichteten, brachen die Barbaren über das Abendland herein. Der schreckliche Hunnenkönig Attila, der sich selbst die Geißel Gottes nannte, zog nach Italien. Der heilige Papst eilte ihm entgegen und beredete ihn, das Land zu verschonen. Als die Vornehmen den König befragten, warum er vor einem Priester sich zurückziehe, da er noch nie einem Gegner gewichen sei, gestand er: dass zwei ehrwürdige Männer mit gezückten Schwertern ihn bedroht hätten (die heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus – siehe Bild!). Den Vandalenkönig Genserich aber konnte Leo von Rom nicht fernhalten; nur soviel vermochte er, dass Rom zwar geplündert, jedoch nicht weiter geschädigt wurde. Die Haupttugenden des heiligen Papstes waren Demut, Sanftmut und Liebe. Nie verlor er den Mut, sondern setzte sein inniges Vertrauen auf Gott. Nach zahllosen Arbeiten und Verdiensten starb der Heilige am 10. November 461. Wegen seiner herrlichen Schriften erhielt er vom Papste Benedikt XIV. den Ehrentitel »Kirchenlehrer«. Sein heiliger Leib ruht zu St. Peter in Rom. Der 11. April ist der Verehrungstag des Heiligen.

Lehre des heiligen Leo I. über das Fasten. »Was kann wirksamer sein, als das Fasten, durch dessen Beobachtung wir uns Gott nähern, dem Teufel widerstehen und die verlockenden Laster besiegen? Denn stets war das Fasten die Nahrung der Tugend. Aus der Enthaltsamkeit gehen hervor züchtige Gedanken, vernünftige Entschlüsse des Willens, heilsame Ratschläge. Durch freiwillige Abtötung stirbt das Fleisch den Begierden ab, und wird der Geist zur Tugendübung erneuert«.

Gebet des heiligen Leo. »O Herr, der du diese drückende Last mir aufgelegt hast, trage sie mit mir! Ich beschwöre dich darum, bei den Leiden deines Sohnes! Sei mein Führer, meine Stütze. Gib mir die Kraft, die ich brauche: du, der du mich zu dieser Arbeit berufen hast, der du diese Bürde auf meine Schultern gelegt hast«. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

15/2020