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Jahrgang 2020 Nummer 46

Heiliger Laurentius, Erzbischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Laurentius war der Sohn eines Fürsten zu Dublin in Irland. Mit 10 Jahren musste ihn der Vater einem Könige eines kleinen Reiches als Geisel ausliefern. Dieser ließ ihn an einem einsamen Orte bewachen und ihm nicht einmal genügende Nahrung und Kleidung zukommen. Nach zwei Jahren zwang der Vater jenen König, seinen Sohn einem Bischof zu übergeben, von dem er ihn zurückhielt. Zum Danke hiefür bot er ihm an, durch das Los einen seiner vier Söhne zum geistlichen Stande zu bestimmen. Aber Laurentius meldete sich sogleich, wurde angenommen und trat in das Kloster von Glendaloch ein. Er wurde dann Abt desselben und 1162 zum Erzbischof von Dublin erwählt. Laurentius lebte sehr strenge. Er trug ein Bußkleid, aß nie Fleisch und fastete jeden Freitag bei Wasser und Brot. Mit den regulierten Chorherren wohnte er jede Nacht dem Chorgebete bei, blieb meistens bis Tagesanbruch in der Kirche; ging dann auf den Friedhof und betete für die Verstorbenen. Öfter zog er sich in eine Grotte zurück, wo einst der heilige Kömgen gelebt hatte. Die Sünder wies der fromme Erzbischof auf die Strafgerichte Gottes hin, die auch hereinbrachen, indem König Heinrich II. von England Irland eroberte. Oft vermittelte der heilige Oberhirte den Frieden zwischen Irland und dem Könige. Bei einer dreijährigen Hungersnot half er, so viel es ihm möglich war. Der Heilige erkrankte im Kloster Eu in der Normandie in Frankreich an einem Fieber und starb den 14. November 1180. Papst Honoris III. setzte ihn 1226 wegen der vielen Wunder in das Verzeichnis der Heiligen.

Lehre. Der heilige Laurentius wurde bei seinem Ende befragt, ob er nicht ein Testament machen wolle. Lächelnd antwortete er, dass er über nichts mehr zu verfügen hätte. Nur wenigen ist es möglich, schon zu Lebzeiten alles Zeitliche zu guten Zwecken zu verwenden. Hingegen soll man rechtzeitig ein Testament machen, dabei für sein Seelenheil sorgen, etwaiges Unrecht gut machen, pflichtmäßige Belohnung oder Bezahlung in Ansatz bringen, Streitigkeiten über das Erbe zu verhindern suchen ...

Kirchengebet. O Gott, der du deinen heiligen Bekenner und Bischof Laurentius durch zahlreiche Wunder verherrlicht hast: verleihe uns, dass wir durch seine Verdienste und Fürbitte die Gesundheit des Leibes und das Heil der Seele zu erlangen verdienen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

46/2020