Jahrgang 2010 Nummer 12

Heiliger Josef – Nährvater Jesu

Pius der XI. erklärte ihn 1870 zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche

Heiliger Josef, Lüftlmalerei, Mittenwald

Heiliger Josef, Lüftlmalerei, Mittenwald
Der Heilige wird vom Volk hoch verehrt, zahllose Kirchen, Kapellen und Altäre sind ihm geweiht, in vielen Familien hängen Bilder von ihm. Pius XI. erklärte ihn 1870 zum Schutzpatron der gesamten katholischen Kirche. Daneben ist er der Patron der Eheleute und der Familie sowie vieler Berufsgruppen, z. B. der Handwerker, Wagner, Schreiner und Zimmerleute, und wird in vielen Nöten und Anliegen angerufen, besonders als Helfer für eine gute Sterbestunde.

Das Bild, das wir uns von Josef machen, ist stark geprägt von den sogenannten neutestamentlichen Kindheitsgeschichten. Josef steht aber immer im Schatten von Jesus und seiner Mutter Maria. Über sein Leben liegen nur spärliche Informationen vor, lediglich die Evangelisten Lukas und Matthäus berichten über ihn. So wissen wir, dass er aus dem Geschlecht Davids stammte und als Zimmermann in Nazareth arbeitete. Er war mit Maria verlobt, die noch vor ihrem Zusammenleben ein Kind empfing, was ihn in eine tiefe Krise stürzte. Ein Bote Gottes klärte ihn aber im Traum über das göttliche Einwirken auf.

Als der römische Kaiser Augustus eine Volkszählung anordnete, begab sich Josef mit Maria nach Bethlehem, wo sie in einem Stall das göttliche Kind gebar. Auf den Rat eines Engels floh Josef mit Maria und dem Kind nach Ägypten, weil König Herodes von Judäa durch Sterndeuter von der Geburt eines neuen Königs der Juden erfahren hatte und alle neugeborenen Kinder töten ließ. Erst nach Herodes’ Tod kehrten sie nach Nazareth zurück. Ein letztes Mal wird Josef erwähnt, als der zwölfjährige Jesus an der Osterwallfahrt teilnimmt. Wann, wie und wo Josef starb, ist nicht bekannt. Sein angebliches Grab wird in einer Grotte unter der Verkündungsbasilika in Nazareth gezeigt.

Obwohl Josef in der Bibel nur selten erwähnt wird, erfreute er sich bei den Christen zu allen Zeiten großer Beliebtheit. Viele Legenden zeichnen von ihm das Bild des treusorgenden Nährvaters von Jesus.

Darstellung: Künstler haben Josef meist als alten Mann dargestellt (weil er nach der Legende bei der Verlobung mit Maria bereits betagt gewesen sein soll), er wird auch mit Jesuskind, Zimmermannswerkzeug, Lilie und Wanderstab gezeigt.

Brauchtum: Obwohl der Josefitag 1968 in Bayern als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde, findet er in traditionell orientierten Familien und Vereinen noch Beachtung. Das Namensfest aller, die Sepp, Sepperl, und Josefine heißen, wird gebührend gefeiert - für viele eine angenehme Unterbrechung der Fastenzeit.

Die »Königlich-Bayerische Josefspartei« bemüht sich seit Jahren um die Wiedereinführung des Josefitages als geschütztem Feiertag.

Albert Bichler

Entnommen aus dem Buch »Freunde im Himmel« von Albert Bichler.



12/2010