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Jahrgang 2020 Nummer 20

Heiliger Johannes von Nepomuk, Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Johannes wurde 1331 zu Nepomuk (daher sein Name) in Böhmen geboren, studierte, wurde Doktor des kanonischen Rechtes an der Universität zu Prag; dann Kanonikus, Generalvikar und Beichtvater der Königin Sophie. Der König Wenzeslaus IV. war ein schlimmer Fürst. Ruchlose Schmeichler stachelten ihn zur Eifersucht an. Deshalb wollte er vom heiligen Johannes erfahren, was die Königin gebeichtet hätte. Der Heilige durfte selbstverständlich nichts offenbaren; weder Versprechungen, noch Drohungen hatten Wirkung. Der heilige Johannes wurde nun eingekerkert, gefoltert, an den Seiten mit Fackeln gebrannt und zuletzt an Händen und Füßen gebunden, während der Nacht über die Brücke in die Moldau hinabgeworfen, wo er seinen Tod fand den 16. Mai 1393. Hellleuchtende Flammen erschienen über seinem Leichnam. Die Kanoniker übertrugen denselben in den St. Veitsdom und setzten ihn ehrerbietig bei. Papst Benedikt XIII. trug Johannes als Martyrer der Unverletzlichkeit des Beichtsiegels 1729 in das Verzeichnis der Heiligen ein. Bei Eröffnung des Grabes wurde die Zunge des Heiligen unverwesen und so frisch als bei einem lebenden Menschen gefunden. Der heilige Leib ruht jetzt in einem herrlichen Sarkophage zu St. Veit. Gott wirkte viele Wunder. Der heilige Johannes ist Schutzpatron gegen Verleumdungen und Wassergefahren.

Lehre. Das Beichtgeheimnis ist für die Priester strengste Pflicht und auch stets sorgfältig beobachtet. Daher hat niemand eine Entschuldigung, wenn in der Beicht etwas verschwiegen wird, was man bekennen muss. Die Gläubigen sollen ihre Beichtväter ehren, ihren Ermahnungen Folge leisten, ihre Zunge beherrschen und sich vor Verletzungen der Ehre ihres Nächsten hüten.

Kirchengebet: O Gott, der du wegen des vom heiligen Johannes treu bewahrten Beichtgeheimnisses deine Kirche mit einer neuen Martyrerkrone geschmückt hast: verleihe uns, dass wir durch dessen Fürsprache und Beispiel die Zunge sorgfältig bezähmen und lieber in dieser Welt alles Übel ertragen, um nur nicht an der Seele Schaden zu leiden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

20/2020