Jahrgang 2020 Nummer 38

Heiliger Januarius, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Januarius, Bischof von Benevent in Italien, wurde unter Kaiser Diocletian wegen des Glaubens zum Statthalter Thimotheus nach Rom geführt. Er wurde in einen glühenden Ofen geworfen, woraus er ganz unversehrt hervorging. Dann wurde der Heilige grausam gefoltert. Indes wurden der Diakon Festus und der Lektor Desiderius ergriffen und mit dem heiligen Bischof vor den Statthalter nach Pozzuoli gebracht, wo die in denselben Kerker kamen, in welchem bereits die Diakonen Sosius und Miseno und Proculus, sowie Eutyches und Acutius sich befanden, die schon zu den wilden Tieren verurteilt waren. Am anderen Tage wurden alle im Amphitheater den wilden Tieren preisgegeben, welche sich aber zu den Füßen des heiligen Januarius niederlegten. Dies schrieb Thimotheus der Zauberei zu, weshalb er alle zur Enthauptung verurteilte. Plötzlich aber erblindete er; auf sein Flehen gab ihm der heilige Bischof wunderbar das Augenlicht wieder. Hiedurch bekehrten sich 5000 Heiden. Aber der undankbare Statthalter ließ dennoch aus Furcht vor dem Kaiser die heiligen Bekenner enthaupten im Jahre 305. Die Reliquien des heiligen Januarius kamen zuletzt nach Neapel. Viele Wunder geschahen. Neapel wurde von der Pest und von den Ausbrüchen des Vesuv befreit und erfuhr oft die Hilfe des Heiligen; darum erwählte ihn diese Stadt zu ihrem Schutzpatron. Ein auffallendes Wunder ist dieses; so oft das in einem Gläschen aufbewahrte gestockte Blut des heiligen Januarius in die Nähe seines Hauptes gestellt wird, beginnt es zu fließen, wallt auf und sieht ganz frisch aus. Der Ehrentag des Heiligen und seiner sechs Leidensgefährten ist der 19. September.

Lehre. Der heilige Januarius wollte lieber das irdische Feuer erdulden, als der Hölle anheimfallen, worüber Sankt Bernhard sagt: »In der Hölle ist ein loderndes Feuer, eine unerträgliche Kälte, ein unsterblicher Wurm, ein unausstehlicher Gestank, ein beständig verletzender Hammer, eine unerträgliche Finsternis, Beschämung der Sünder und der schreckliche Anblick der Teufel«.

Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du die erhabene und heilige Freude des heutigen Tages als am Feste des heiligen Martyrers und Bischofs Januarius verliehen hast: wir bitten dich, gewähre uns, dass wir dessen unvergängliche Glorie durch Fortschreiten im Guten feiern und durch diese Feier in der Tugend zunehmen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

38/2020

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