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Jahrgang 2020 Nummer 14

Heiliger Isidor, Erzbischof und Kirchenlehrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahr 1890

Isidor (= von Gott geschenkt), von vornehmer Abkunft, wurde 560 zu Carthagena in Spanien geboren. Unter Leitung seines heiligen Bruders Leander begann er das Studieren. Isidor trat in den Orden der Kanoniker des heiligen Augustin und folgte dem heiligen Leander auf dem erzbischöflichen Stuhle zu Sevilla nach und erhielt vom heiligen Papst Gregor dem Großen das Pallium. Er zeichnete sich in allen Tugenden aus und kämpfte durch Wort und Schrift für den heiligen Glauben. Nachdem er schon früher wegen seines Eifers von den Arianern beinahe getötet worden war, gelang es ihm jetzt, zumal durch die Unterstützung des Königs Reccared, dieselben gänzlich zu bekehren. Der Heilige hielt auch sehr wichtige und nützliche Kirchenversammlungen ab und glänzte durch seine Belehrsamkeit. Als er die Nähe des Todes fühlte, versammelte er das Volk, ermunterte es zur Liebe und Eintracht, betete laut um Verzeihung seiner Sünden, verteilte den Rest seines Vermögens an die Armen und starb am 4. April 636, nachdem er fast 36 Jahre sein hohes Amt segensreich verwaltet hatte. Er hat den Ehrentitel »Kirchenlehrer«. Gott verherrlichte ihn durch viele Wunder. Vom Papste Clemens VIII. wurde er 1598 heilig gesprochen.

Lehre. Anfangs wollte dem heiligen Isidor das lernen nicht behagen; er lief davon zur Stadt hinaus und setzte sich an einem Ziehbrunnen nieder. EinWeib klärte ihn über die Löcher im Steine und die Einschnitte an der Walze auf. Er sann darüber nach, und eine innere Stimme sagte ihm: »Wenn dieser Stein durch oftmaliges Fallen der Wassertropfen weich und durchlöchert, und das Holz durch wiederholte Berührung eines weichen Seiles tiefe Einschnitte erhält: um wieviel mehr kann ich unter dem Beistande Gottes Kenntnisse erlangen, wenn ich nur täglich einen kleinen Schritt in denselben vorwärts mache!« Darum o Kind, o Studierender! lerne jeden Tag deine Aufgabe fleißig und mache auch jeden Tag einen Schritt vorwärts, wie der heilige Isidor sich entschloss und auch ausgeführt hat.

Gebet. Schenke uns, o barmherziger Gott! durch die Fürbitte deines heiligen Dieners und Bischofes Isidor deine Erleuchtung und Gnade, dass wir uns niemals im Geiste überheben und nicht denKlugen und Weisen dieser Welt, sondern jeder Zeit den Kleinen und Demütigen beigezählt werden, welchen du die Erkenntnis deiner himmlischen Geheimnisse verleihest. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

14/2020