weather-image
12°
Jahrgang 2016 Nummer 21

Heiliger Hospitius, Eremit

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Hospitius (= Gast) war zu Nizza (jetzt zu Frankreich gehörig) geboren. Er reiste nach Ägypten und lebte längere Zeit alldort als Einsiedler sehr strenge, indem er ein hartes Bußkleid und schwere eiserne Ketten trug und nur Brot und einige Früchte genoss. Dann kehrte Hospitius in die Nähe seiner Heimat zurück und lebte in einem alten Turme bei Villafranca als Eremit. Gott verlieh ihm die Gaben der Wunder und Weissagung. Er wirkte durch Beispiel und Wort als Bußprediger und sagte auch göttliche Strafgerichte voraus, namentlich die Einfälle der Longobarden in Frankreich und Italien. Diese kamen auch wirklich. Einige von ihnen fanden ihn auf; als sie ihn mit einer Kette gefesselt sahen, hielten sie ihn für einen Verbrecher. Sie befragten ihn deshalb. Der Heilige sagte aus Demut, er sei ein großer Sünder und nicht wert, leben zu dürfen. Da erhob ein Longobarde sein Schwert und wollte ihm sein Haupt spalten; aber Gott lähmte dessen Arm. Der heilige Eremit machte nun das Kreuzzeichen darüber und der Arm war wieder geheilt. Auf dieses Wunder hin bekehrte sich jener, mit seinen Begleitern. Der heilige Hospitius sagte seinen Tod voraus, ließ sich die Kette abnehmen und verschied am bestimmten Tage, den 21. Juli 591.

Lehre. Der heilige Augustin sagt: »Alles ist voll freventlicher Urteile; und doch bekehrt sich jener, den man verurteilt! und wird der beste, an dem wir schon die Hoffnung aufgegeben haben!« – Richte nicht, o Christ! damit du nicht gerichtet werdest. Hüte dich vor ungerechten Urteilen; denn der heilige Laurentius Justiniani mahnt: »Wer bist du, dass du so lieblos, ja vorschnell, so offen einen anderen richtest? Kehre in dich ein, untersuche dich, richte dich selbst!«

Gebet. O Gott, der du uns durch das jährliche Andenken deines heiligen Bekenners Hospitius erfreuest: verleihe gnädig, dass wir auch die Tugenden desselben nachahmen, dessen Gedächtnis wir feiern. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

21/2016