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Jahrgang 2020 Nummer 37

Heiliger Guido, Bekenner

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Guido (= Virus = Führer) stammte von armen Eltern zu Anderlecht bei Brüssel in Belgien. Die Armut ertrug er mit Geduld. Anderen Armen kam er zu Hilfe durch Ermahnung, Trost und Almosen, soviel er vermochte. In der Kirche zu Laeken beobachtete ihn der Pfarrherr beim Gebete und stellte ihn dann als Sakristan (Meßner) an. Das war für Guido die größte Freude; denn nun konnte er recht oft und lange beim lieben Jesus verweilen. Seine Kirchendienste verrichtete er mit inniger Andacht, Ehrerbietung und Sorgfalt und wurde das schönste Musterbild für alle Kirchendiener. Aber ein Kaufmann aus Brüssel machte ihm den Antrag, in seinen Dienst zu treten und mit ihm einen kleinen Handel anzufangen, damit er hiedurch in den Stand gesetzt würde, den Armen mehr geben zu können. Es ging jedoch ein Schiff mit der Ladung zu Grunde; und so sah sich Guido in die äußerste Not gebracht. Nun erkannte er, dass er zum vorigen Berufe zurückkehren müsse. Zuvor aber wallfahrtete er nach Rom und Jerusalem und besuchte unter vielen Beschwerden und Bußübungen die heiligen Stätten. Nach Rom zurückgekehrt, fand der Heilige mehrere Pilger aus seiner Heimat, denen er sich als Führer in das heilige Land anbot. Auf der Heimreise starben aber jene an einer ansteckenden Krankheit; er hatte sie bestens gepflegt und musste nun allein nach Anderlecht zurückkehren, wo er bis zu seinem Tode eifrig den Kirchendienst versah. Der heilige Guide starb am 12. September 1012.

Lehre. Die Armen mögen beherzigen die Worte des heiligen Guido, womit er oft seine armen Eltern tröstete: »Wir führen zwar ein armes Leben; aber bei Jesus werden wir einst viele Güter besitzen, welcher in seiner Armut und Niedrigkeit versichert hat: »Selig sind die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich«. O möchten alle Kirchendiener nach dem Beispiele dieses Heiligen ehrerbietig und eifrig ihre Obliegenheiten erfüllen und bedenken, dass sie auf Erden die Stelle der Engel vertreten sollen.

Gebet. Verleihe, o Herr! allen, welche in deiner Kirche Dienste verrichten, Gnade und Einsicht, dass sie deiner heiligen Gegenwart eingedenk bleiben und in ihrem Engeldienste nichts vernachlässigen. Amen

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

37/2020