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Jahrgang 2016 Nummer 22

Heiliger Germanus, Bischof

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Germanus (= treu) wurde im Gebiete von Autun in Frankreich 496 geboren. Als Priester arbeitete er eifrig in der Seelsorge. Der Bischof Rectarius ernannte ihn zum Vorstande des Stiftes vom heiligen Symphorian. Als Abt wirkte Germanus durch Wort und Beispiel auf seine Untergebenen und auf das Volk mächtig ein. Im Jahre 555 wurde er gegen seinen Wunsch und Willen zum Bischof von Paris erwählt. Alle Mahnungen gab er mit zartester Schonung. Nie wandte er Strenge an, bevor nicht seine väterliche Liebe das letzte Mittel versucht hatte. Und wenn er dann mit Ernst verfahren musste, so war dieser stets durch Sanftmut und Güte gemildert. Als Bischof kannte der Heilige keine Furcht und ließ sich von Erfüllung seiner Pflichten durch kein Ansehen der Personen abhalten. Durch die zahllosen Schwierigkeiten wurde er nicht entmutigt; denn sein Vertrauen war fest auf Gott gerichtet. Je mehr die Bedrängnisse der Gläubigen und der Kirche wuchsen, um so größer wurde sein liebevolles Herz. Täglich speiste er Arme an seinem Tische. Ungewöhnlich groß war seine Wohltätigkeit, die oft durch Wunder erweitert wurde, da er keinem Bittenden etwas abschlagen konnte. In allen Arten von Krankheiten half er wunderbar. Am 28. Mai 576 starb der Heilige nach seiner Voraussagung. Sein Grab leuchtete durch zahlreiche Wunder.

Lehre. Der heilige Bischof lehrte, dass wir uns besonders um die heilige Kirche des Herrn auf alle mögliche Weise annehmen und das Almosen so freigebig als möglich spenden sollen. Gelegenheiten gibt es genug: Für den heiligen Vater, Missions-Kindheit-Jesu- Verein, für die Armen, für Wohltätigkeits- Anstalten und Beherzige, o Christ! das Wort des heiligen Chrysostomus: »Umsonst hofft auf Gottes Barmherzigkeit, wer Barmherzigkeit nicht geübt hat«.

Kirchengebet. O Gott, du wunderbarer Glanz deiner Heiligen, der du diesen Tag durch die Beisetzung deines heiligen Bischofes Germanus geheiligt hast: verleihe deiner Kirche, welche an seinem Ehrentage sich erfreut, dass wir bei deiner Barmherzigkeit durch dessen Tugendbeispiele und Verdienste Schutz erlangen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

22/2016