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Jahrgang 2016 Nummer 14

Heiliger Franziscus von Paula, Ordensstifter

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Franziscus wurde von seinen frommen Eltern zu Paula (daher sein Beiname), einem Städtchen in Unteritalien, durch Anrufung des heiligen Franziscus von Assisi von Gott erbeten und 1416 geboren. Er war voll guter Anlagen. Im Alter von 13 Jahren übergaben ihn die Eltern ihrem Gelübde gemäß den Franziskanern; er wurde in den 3. Orden eingekleidet und machte ein Jahr lang alle Übungen mit. Dann begab er sich in die Einsamkeit. Es kamen fromme Jünglinge zu ihm, und so entstanden zunächst die Eremiten des heiligen Franziscus von Assisi. Später aber stiftete der Heilige den Orden der Minimen oder Paulaner (Minimi = Mindeste); ferner einen 2. Orden für Frauen und auch einen 3. Orden. Die Mitglieder des 1. Ordens sollten sich besonders die Nächstenliebe, Bußfertigkeit, Demut und das Fasten angelegen sein lassen. Deswegen wählte der Heilige das Wort Charitas (= Liebe) als Parole für den Orden. Die Mitglieder sollten als 4. Gelübde die gänzliche Enthaltung von Fleischspeisen beobachten. Gott verlieh ihm nun die Gaben der Wunder und Weissagung. Papst Sixtus IV. bestätigte 1474 den neuen Orden. König Ludwig XI. von Frankreich berief den Gottesmann zu sich und starb in seinen Armen. Nachdem der Orden sich ausgebreitet, und der Heilige die schönsten Tugenden entfaltet hatte, berief Gott seinen treuen Diener zu sich am Karfreitag, den 2. April 1508 zu Plessis in Frankreich. Papst Leo X. zählte ihn 1519 den Heiligen bei.

Gebet. König Ludwig XI. gab dem heiligen Franz von Paula eine Menge Goldstücke, damit er sie zu seinen Zwecken verwenden möge. Der Heilige zerbrach eines davon in zwei Teile – und es fielen daraus mehrere Blutstropfen auf den Boden, wobei er sprach: »O König, du würdest besser tun, dieses Gold den Armen zurückzugeben, denen du es durch deine ungerechten Erpressungen genommen hast; denn daran hängt das Blut der Armen, und solches Almosen ist vor den Augen Gottes ein Greuel!« – O wie viel Blut hängt an Geld oder Besitztum, das durch Lügen, Arglist, Übervorteilung, Betrug, Diebstahl, Erpressung, Wucher, Raub, ungerechte Prozesse erworben ist!

Kirchengebet. O Gott, der du erhöhest die Demütigen und den heiligen Bekenner Franziscus zur Glorie deiner Heiligen erhoben hast: wir bitten dich, verleihe, dass wir durch seine Verdienste und Nachfolge die den Demütigen verheißenen Belohnungen glücklich erlangen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

14/2016