weather-image
11°
Jahrgang 2020 Nummer 41

Heiliger Franziscus Borgias, Bekenner

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Franziscus von Borgias wurde 1510 als Sohn des Herzogs von Gandia in Spanien geboren und erhielt als Taufpatron den heiligen Franziscus von Assisi. Er kam an fürstliche Höfe und wurde vom Kaiser Carl V. mit Auszeichnungen überhäuft. Er führte auch ein tugendhaftes Eheleben und hatte fünf Söhne und drei Töchter. Als Vizekönig von Catalonien verbesserte Franziscus alle üblen Zustände und gab selbst das schönste Tugendbeispiel. Viele Stunden widmete er dem Gebete, verrichtete alle Tage das Brevier und betete den heiligen Rosenkranz und ging vor aller Augen jeden Sonn- und Feiertag zum Tische des Herrn. Nach Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten und Versorgung seiner Kinder, und nachdem seine Gemahlin gestorben war, legte der fromme Herzog alle seine Würden nieder, ließ sich in den Jesuitenorden aufnehmen und legte in der Kirche des Kollegiums zu Gandia 1547 die Gelübde ab. Dann studierte er die Theologie und reiste 1550 nach Rom, wo ihn der heilige Ordensstifter Ignatius selbst noch bewillkommnete. Im Jahre 1551 erhielt er die Priesterweihe und wurde 1565 zum General seines Ordens erwählt. Der Heilige wirkte auch in seiner geistlichen Stellung vortrefflich und verschied unter Gebet für die heilige Kirche und seinen Orden am 30. September 1572. Papst Urban VIII. sprach ihn 1624 selig, und Papst Clemens X. zählte ihn 1671 den Heiligen bei. Papst Innocenz XI. bestimmte 1683 den 10. Oktober als Verehrungstag des Heiligen.

Lehre. Der heilige Franz Borgias hatte die Leiche der anmutigen Kaiserin Isabella nach Granada zu begleiten. Dort wurde der Sarg noch einmal geöffnet. Als er das entstellte Angesicht sah, und der üble Geruch sich bemerkbar machte, entsetzte er sich darüber und rief aus: »O meine Seele! was kann ich in der Welt noch suchen? wie lange noch werde ich einem leeren Schatten nachjagen? Der Tod, welcher die Kaiserkrone zerbricht, wird auch mich treffen und zwar bald. Ist es nicht weise, seinen Schlägen vorzubeugen, indem ich von diesem Augenblicke an der Welt absterbe, auf dass ich nach meinem Tode in Gott leben könne?«

Kirchengebet. O Herr Jesus Christus! Vorbild und Belohner der wahren Demut! wir bitten dich, verleihe uns, dass, gleich wie du den heiligen Franziscus in der Verachtung der Welt zu deinem glorreichen Nachfolger gemacht hast, so auch wir seine Genossen in dieser Nachahmung und Glorie sein mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

41/2020