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Jahrgang 2012 Nummer 51

Heiliger Flavianus, Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Flavianus war von hoher Abstammung und Senator in Rom. Seine Gemahlin war die heilige Dafrosa, und seine heiligen Töchter hießen Bibiana und Demetria. Wegen seines Adels und seiner vortrefflichen Eigenschaften wurde Flavian zum Stadtpräfekten ernannt. Er tat sich in der Verwaltung dieses wichtigen Amtes durch seinen großen Eifer hervor, förderte durch sein Ansehen die Beobachtung der Kirchengesetze und war gleich gerecht gegen Reiche und Arme. Er wurde der Beschützer aller Bedrängten. Als jedoch dem edlen Kaiser Constantin dem Großen dessen Sohn Constantius folgte, welcher die arianische Lehre begünstigte, da kamen schwere Prüfungen über den heiligen Flavian. Er ließ sich aber weder durch Schmeicheleien noch Drohungen zum Irrglauben verleiten und wurde deshalb seines Amtes entsetzt. Als nun auch Constantius gestorben war, kam Julian der Abtrünnige auf den kaiserlichen Thron, der den christlichen Namen gänzlich vertilgen wollte. Die Gefängnisse waren bald mit standhaften Gläubigen angefüllt. Auf öffentlichen Plätzen wurden furchtbare Blutgerüste aufgeschlagen, um jene zu schrecken, die sich vom Glauben nicht abbringen lassen wollten. Der heilige Flavian ging von einem Gefängnisse zum andern, unterstützte und munterte die Bekenner auf. Aber Apronian, sein Nachfolger als Stadtpräfekt, ließ ihn ergreifen, ihm wie einem großen Missetäter ein glühendes Eisen auf die Stirne brennen und ihn nach Beraubung von allen seinen Gütern in die Verbannung führen in die Krim am schwarzen Meere. Dort sollte der Heilige von Schergen zu Tode gepeinigt werden. Flavian musste sich von seinen lieben Angehörigen trennen. Unbilden aller Art, harte Arbeiten, Hunger und Durst rieben bald seine Kräfte auf. Unter Gebet starb der heilige Flavian den 22. Dezember 363 und wird mit Recht als Martyrer verehrt.

Lehre. Der heilige Martyrer Flavian nahm Freud und Leid dankbar aus der Hand Gottes an. Der heilige Bonaventura mahnt: »Sage Gott Dank mit dem Herzen und mit dem Munde, mag es dir noch so schlecht und schmerzlich ergehen!«

Kirchengebet. Wir bitten dich, allmächtiger Gott! verleihe uns durch die Fürbitte deines heiligen Martyrers Flavianus, dass wir die Tugenden desjenigen nachahmen, dessen Andenken wir feiern. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

51/2012