weather-image
11°
Jahrgang 2015 Nummer 45

Heiliger Engelbert, Erzbischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Engelbert war von edler Abkunft und wurde von den Eltern zum geistlichen Stande bestimmt. Durch deren Verwendung erhielt er reiche Pfründen, lebte aber durch Gottes Gnade ohne Tadel. Im Jahre 1215 wurde er zum Erzbischof von Köln erwählt. Seine Obliegenheiten erfüllte Engelbert gewissenhaft, ohne sich durch unerlaubte Rücksichten irre machen zu lassen. Jedermann fand bei ihm williges Gehör; sein väterliches Herz sorgte für die Armen und Waisen. Der fromme Erzbischof nahm sich aller Bedrängten an. Graf Friedrich von Isenburg hatte sich dem Frauenkloster Essen als Schutzherr aufgedrängt, aber in der unedlen Absicht, allmählich das Kloster zu berauben. Die Klosterfrauen brachten ihre Klagen vor den Erzbischof. Es befahlen ihm auch Papst und Kaiser, gegen diese Ungerechtigkeiten einzuschreiten, nach Umständen den Klostervogt abzusetzen. Als der Weg der Güte nichts fruchtete, waltete der Heilige seines Amtes. Es heuchelte zwar der Graf die friedlichsten Absichten; man warnte aber den heiligen Oberhirten. Er ließ sich jedoch nicht abschrecken. Eine Ahnung hingegen sagte ihm, dass sein Tod nahe sei. Deshalb bereitete er sich darauf vor. Als der Heilige die Kirche in Schwelm einweihen wollte, fielen auf dem Wege vom Grafen gedungene Meuchelmörder ihn an und bedeckten ihn mit Wunden. Seine Feinde segnend hauchte der heilige Martyrer seine Seele aus den 7. November 1225. Sein Grab wurde durch Wunder verherrlicht.

Lehre. Der heilige Engelbert wies freimütig jenen Grafen zurecht, der böses getan hatte. Er zeichnete sich in allen Werken der geistigen Barmherzigkeit aus. Folge auch du, o Christ! dem Heiligen nach und übe die Werke der geistigen Barmherzigkeit aus, wie es Pflicht und Umstände erheischen. Die Werke der geistigen Barmherzigkeit sind folgende sieben: 1. Die Sünder zurechtweisen. 2. Die Unwissenden lehren. 3. Den Zweifelnden recht raten. 4. Die Betrübten trösten. 5. Das Unrecht geduldig leiden. 6. Denen, die uns beleidigt haben, gerne verzeihen. 7. Für die Lebendigen und Toten Gott bitten.

Kirchengebet. O Gott, für dessen Kirche der ruhmreiche Bischof Engelbert den Tod durch die Schwerter der Ruchlosen erlitten hat: verleihe, wir bitten dich, dass alle, die seine Hilfe anrufen, die heilsame Wirkung ihrer Fürbitte erlangen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

45/2015