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Jahrgang 2016 Nummer 16

Heiliger Benedikt Joseph Labre, Pilger

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Benedikt Joseph Labre wurde zu Amettes in Frankreich 1748 als der Sohn eines Ackermannes und Spezereihändlers geboren. Von Jugend auf war er ernsten Wesens und zeichnete sich durch Frömmigkeit, Gehorsam und Eifer im Lernen aus. Er fastete strenge, schlief wenig, geißelte sich und betete viele Stunden auf den Knien vor dem Tabernakel. Benedikt war Mitglied der Strickgürtelbruderschaft zu Ehren des heiligen Franziskus von Assisi. Er sollte mitten in der Welt das arme Leben Jesu nachahmen. Fast immer ohne Schuhe, in armseligen Kleidern, in denselben Ungeziefer duldend, machte er große Wallfahrten stets zu Fuß, ohne Geld, und nährte sich von Almosen und weggeworfenen Küchenabfällen. Hohn und Spott ertrug der Heilige geduldig. Später nahm er zu Rom seinen Aufenthalt, brachte viele Nächte im Kolosseum zu und besuchte von dort aus die heiligen Stätten in Assisi und Loreto und betete den größten Teil des Tages in Kirchen. Der heilige Pilger und Bettler starb zu Rom am 16. April 1783 im Alter von 35 Jahren. Wegen der vielen Wunder in seinem Leben und nach seinem Tode setzte ihn Papst Pius IX. am 12. Mai 1860 in das Verzeichnis der Seligen, und Papst Leo XIII. am 8. Dezember 1881 in jenes der Heiligen.

Lehre des heiligen Benedikt. Um Gott zu lieben, müssen wir drei Herzen in Einem haben. Das erste Herz muss ganz Liebe für Gott sein, indem es stets von Gott spricht, an Gott denkt, für Gott arbeitet. Das zweite muss ganz Liebe für den Nächsten sein, indem es sich bemüht, ihm zu helfen und nicht bloß zeitlicher, sondern auch geistiger Weise, durch Gebet und Belehrung. Das dritte muss ganz Bitterkeit gegen sich selbst sein, indem es sich bemüht, dem eigenen Willen und der Selbstliebe zu widerstehen, unser Fleisch durch Bußwerke kasteit, fastet und unsere Leidenschaft überwindet.

Kirchengebet. O Gott, der du deinen Bekenner Benedikt Joseph durch Streben nach Demut und Liebe zur Armut bewogen hast, sich dir allein hinzugeben: verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, das Irdische gering zu schätzen und stets nach dem Himmlischen zu trachten. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

16/2016