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Jahrgang 2020 Nummer 12

Heiliger Benedict, Abt und Ordensstifter

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Benedict (= gesegnet, beglückt), Patriarch der Mönche des Abendlandes, wurde zu Nursia (Norcia in Unteritalien) 480 geboren. Er studierte in Rom und begab sich, erst 14 Jahre alt, als Einsiedler in das Gebirge von Subiaco, wo er in einer Höhle wohnte. Um die Versuchungen des Fleisches zu überwinden, wälzte er sich so lange in einem Dornengestrüppe, bis der ganze Körper blutete; hiefür verlieh ihm Gott die Gnade, von solchen Versuchungen für immer frei zu bleiben. Der Heilige erbaute zwölf Klöster, weil von allen Seiten Schüler herbeieilten. Um argen Verleumdungen zu entgehen, zog er sich auf den Berg Cassino zurück und gründete dort das berühmte Kloster. Auf diese Weise wurde Benedict der Stifter des nach ihm benannten Benediktinerordens, verfasste die vortreffliche Ordensregel und gründete mit seiner heiligen Schwester Scholastica auch den Orden der Benediktinerinnen. Beide Orden verbreiteten sich in der ganzen Welt und brachten zahlreiche Heiligen hervor. Am vorausgesagten Todestage ließ sich der Heilige fieberkrank in die Kirche tragen, empfing die heilige Wegzehrung und starb stehend den 21. März 543. Von zwei Mönchen wurde gesehen, wie seine Seele auf einer glänzenden Lichtbahn zum Himmel schwebte. Groß ist die Zahl seiner Wunder im Leben und nach dem Tode. Seine heiligen Reliquien ruhen zu Monte Cassino und zu Fleury in Frankreich. St. Benedict wird dargestellt mit einem kelchartigen Glase in der Hand und einer Schlange oberhalb, weil er einmal über vergifteten Wein das heilige Kreuzzeichen machte, worauf das Glas zersprang, eine Schlange hervorzischte, und er selbst vor Vergiftung bewahrt wurde.

Lehre. Zuerst betrieben die Benediktiner die Kultur des Bodens, dann verlegten sie sich in ihren Klosterschulen auf die Bildung des Geistes. Zahllos sind die Wohltaten, welche die Christen diesem Orden verdanken.

Gebet der Kirche. Allmächtiger, ewiger Gott! der du am heutigen Tage deinen heiligen Bekenner Benedict aus dem Kerker des Leibes befreit und in den Himmel erhoben hast: verleihe, wir bitten dich, deinen Dienern, welche diese Feier begehen, Nachlassungen aller ihrer Sünden, auf dass die, welche mit jubelnden Herzen über seine Verherrlichung sich freuen, durch dessen Fürsprache bei dir auch an seinen Verdiensten Anteil erhalten. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

12/2020