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Jahrgang 2020 Nummer 18

Heiliger Athanasius, Patriarch und Kirchenlehrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Athanasius (= unsterblich) wurde 296 in Alexandria geboren und vortrefflich erzogen. Der spätere Bischof Alexander vollendete seine geistige Ausbildung. Auf dem Konzil zu Ricäa (325) widerlegte der Diakon Athanasius den Irrlehrer Arius, der die Gottheit Christi leugnete und brachte ihn zum Schweigen. Arius aber blieb verstockt. Im Jahre 326 wurde Athanasius Bischof und Patriarch von Alexandria. Die Arianer erkannten sogleich, welch gewaltiger Gegner er ihnen sein würde. Daher nahmen sie zu allen, auch den schlechtesten Mitteln Zuflucht, um ihn unschädlich zu machen. Bei den jeweiligen Kaisern brachten sie es dahin, dass Athanasius fünfmal verbannt wurde. Um seinen Todfeinden zu entgehen, musste er fünf Jahre in einer leeren Zisterne und vier Monate im väterlichen Grabmale verborgen leben. Dann verleumdeten ihn seine Feinde; waren die einen Verleumdungen widerlegt, so wurden andere ausgedacht. Bei seiner Verbannung nach Trier verfasste Athanasius das nach ihm benannte Glaubensbekenntnis. Unter fortwährenden Kämpfen gegen Heiden und Arianer floss sein Leben dahin. Am 2. März 371 ging der Heilige in die ewige Ruhe ein. Sein heiliger Leib wurde später nach Konstantinopel und 1433 nach Venedig gebracht und in der heiligen Kreuzkirche beigesetzt. Wegen der ausgezeichneten Schriften wurde dem heiligen Athanasius der Ehrentitel »Kirchenlehrer« beigelegt.

Lehre. Der heilige Athanasius entfloh einmal seinen Verfolgern auf einem Schiffe. Als er vernahm, dass dieselben ihm nachfuhren und bereits nahe waren, gab er Befehl zur Umkehr. Er selbst wurde nun befragt, ob Athanasius weit entfernt sei, und antwortete: er sei nicht weit entfernt. Dieselben setzten ihre Verfolgung fort, indem sie den Sinn der Antwort anders auslegten. Solchen Personen, die aus Neugierde oder Vorwitz oder um Unberechtigtes fragen, darf, ja muss man ausweichende Antworten geben, das heißt solche, welche die Wahrheit verbergen und keine Lügen sind. Hierin das Richtige zu treffen, ist Sache christlicher Klugheit.

Gebet. O Gott, der du deinem Bekenner und Bischof Athanasius für die Verteidigung deiner heiligen Lehren die ewige Seligkeit verliehen hast: gewähre, dass wir durch dessen Fürbitte dem heiligen Glauben treu bleiben und mit ihm das ewige Leben genießen dürfen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

18/2020