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Jahrgang 2012 Nummer 45

Heiliger Andreas Avellinus, Ordenspriester

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Andreas Avellinus wurde 1521 zu Castro-Nuovo im Königreiche Neapel geboren, fromm erzogen und zum Studieren befördert. In Neapel erhielt er den Doktorgrad beider Rechte und die Priesterweihe. Bei einer Verteidigung entschlüpfte ihm eine an sich geringe Unwahrheit. Als er jedoch las (Buch der Weisheit 1,11): »Ein lügnerischer Mund tötet die Seele«, wurde er heilsam erschreckt und entsagte seinem Stande als Advokat. Der Erzbischof von Neapel ernannte ihn zum Beichtvater für Klosterfrauen. Dieses Amt zog ihm Verfolgungen zu. Man ließ ihn von zwei Meuchelmördern überfallen, die ihm zwei schwere Wunden im Gesichte beibrachten. Der Heilige verzieh aber jenem ruchlosen Anstifter und erwirkte ihm sogar vom Vizekönige die Begnadigung. Nun trat der Heilige (1556) in die Kongregation der Theatiner und wurde das Vorbild für alle. Als Novizenmeister leitete er die Novizen zum Streben nach Vollkommenheit an. Er selbst machte das Gelübde, durch vollständige Verleugnung seines Willens täglich in der Tugend fortschreiten zu wollen. Nachdem er einige Häuser seiner Kongregation neu gegründet und viele Tugenden und Verdienste sich erworben hatte, traf ihn, als er gerade die heilige Messe begann und die Worte betete: Introibo ad altare Dei (Ich will hintreten zum Altare Gottes), ein Schlaganfall. Der Heilige erhielt noch die heiligen Sterbsakramente und entschlief sanft im Herrn den 10. November 1608 im 88. Lebensjahre. Papst Innocenz X. trug ihn 1624 in das Verzeichnis der Seligen, und Clemens XI. 1712 in jenes der Heiligen ein. Der Heilige Andreas ist Schutzpatron gegen den Schlaganfall.

Lehre. Der Heilige Bernard meint: »Da dich der Tod überall erwartet, so sollst du auch ihn, wenn du weise bist, überall erwarten«. Er will damit sagen, du sollst stets so leben, dass du nicht in einer Todsünde sterben musst; daher immer an den Tod denken und dich frei machen oder frei halten von schwerer Sünde, die vom Himmelreiche ausschließt.

Kirchengebet. O Gott, der du im Herzen deines heiligen Bekenners Andreas infolge seines eifrigen täglichen Strebens nach Fortschreiten in den Tugenden wunderbare Erhebungen zu dir bewirkt hast: verleihe uns durch dessen Verdienste und Fürbitte, dass wir derselben Gnade teilhaftig und glücklich zum Besitze deiner Herrlichkeit geführt werden. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

45/2012