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Jahrgang 2016 Nummer 17

Heiliger Adalbert, Bischof und Martyrer

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Adalbert (= durch Adel berühmt) entstammte einer der edelsten Familien in Böhmen, geboren 956. Im Jahre 983 wurde er zum Nachfolger des Bischofes Dietmar in Prag erwählt, dessen trauriger Tod ihn für das ganze Leben ernst stimmte. Seine Lebensweise war sehr strenge. Als es ihm nicht gelang, in seiner Diözese Zucht und Ordnung zuwege zu bringen, reiste er nach Rom und erlangte vom Papst Johann XV. die Erlaubnis, auf sein Bistum verzichten zu dürfen. Adalbert trat dort in ein Kloster. Nach fünf Jahren aber kehrte er auf Befehl des Papstes zu seiner Herde zurück. Auf der Heimreise predigte er den Ungarn das Evangelium und taufte den König Stephan. Nach wiederholten und missglückten Bemühungen in Böhmen ging der heilige Bischof mit Erlaubnis des Papstes als Missionär nach Polen. Viele Bekehrungen erfolgten. Er verkündete dann den Preußen das Evangelium. Bei Fischhausen aber in der Nähe von Königsberg stießen sieben Heiden ihre Lanzen durch seinen Leib, und so starb Adalbert als Martyrer den 23. April 997. Herzog Boleslaus erwarb für eine große Geldsumme den heiligen Leib, welcher nach Gnesen und hierauf nach Prag übertragen wurde. Seine Reliquien wurden 1880 im St. Veitsdome, wo sie vergraben waren, wieder aufgefunden.

Lehre. Als der heilige Adalbert zum Bischofe geweiht war, sah man ihn von jener Zeit an nie mehr lachen. Darum befragt, gab er zur Antwort: »Sehr leicht ist es, eine Inful und einen Bischofsstab zu tragen; aber es ist etwas Schreckliches, einst vor dem höchsten Richter der Lebendigen und Toten Rechenschaft über sein Bistum ablegen zu müssen.« Möchten dies alle Vorgesetzten beherzigen! Sie haben dereinst vor dem Richterstuhle Gottes nicht nur über ihr Privatleben, sondern auch über die Verwaltung ihres Amtes genaue Rechenschaft zu geben.

Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du am heutigen Tage deinen hl. Martyrer und Bischof Adalbert durch die Verdienste des Leidens in die Gesellschaft deiner Heiligen aufzunehmen dich gewürdigt hast: wir bitten dich, verleihe uns, dass wir durch sein Beispiel in das ewige Vaterland gelangen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

17/2016