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Jahrgang 2016 Nummer 15

Heilige Waldetrudis, Witwe und Klosterstifterin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Waldetrudis (Waltrudis = geliebt) war die Tochter des Grafen Walbert und der heiligen Bertila und wurde von den Eltern mit Madelgar, Graf in Hennegau (Belgien) vermählt. Ihre Söhne Landricus und Dentlinus und ihre Töchter Adeltrudis und Madelberta sind ebenfalls Heilige. Waldetrud war eine vortreffliche Ehefrau und Mutter; aber sie sehnte sich nach dem einsamen Leben. Sie verständigte sich darüber mit ihrem Gemahl, und dieser stimmte ihr bei. Er selbst gründete ein Kloster für Benediktiner, trat in dasselbe ein, erhielt dem Namen Vincentius und starb als Heiliger den 14. Juli 677. Die fromme Frau blieb noch 2 Jahre in der Welt, bis sie alles geordnet hatte und tat den Armen und Gefangenen viel Gutes. Große Gewissensangst befiel sie, es möchte ihre Weltentsagung ein Unrecht sein; aber ein Engel erschien ihr und sprach ihr Mut und Trost zu: Sie solle die Sprühfunken der Verleumder nicht fürchten, welche schnell entzündet, aber mit großer Leichtigkeit gelöscht würden. So empfing sie denn im Jahre 656 den Schleier in dem von ihr gegründeten Benediktinerinnenkloster zu Mons. Gott schenkte ihr die Gabe der Wunder, die sich besonders bei kranken Kindern (siehe Bild!) und an Armen erprobte, indem sich die Almosen unter ihren Händen vermehrten. Die Heilige starb als Witwe und Nonne und Klosterstifterin am 9. April 696.

Lehre. Der heilige Bischof Gaugerich von Cambrai erschien der heiligen Waltrud, bot ihr einen Kelch dar und munterte sie auf, den Weg zur Vollkommenheit mutig fortzusetzen. Dies vertraute sie harmlos einigen Personen an. Diese aber schwätzten die angebliche Erscheinung überall aus und nannten die Heilige eine Gleißnerin, Scheinheilige, Betrügerin, die sich nur verstelle und ihre Bosheit dadurch zu verbergen suche. – O christliche Seele! verleiht dir Gott etwa eine besondere Gnade, so teile sie ja niemanden mit. Insbesondere muss man über alles schweigen, was die heilige Beichte betrifft; denn das geht nur Gott, den Priester und die beichtende Person an - und sonst niemand.

Kirchengebet. Wir rufen deine Barmherzigkeit an, o Herr! indem wir das Andenken der hl. Waldetrudis feiern: damit du uns durch ihre beständige Fürbitte von allen Vergehen und Sünden befreien mögest. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

15/2016