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Jahrgang 2016 Nummer 36

Heilige Seraphia, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Seraphia (Seraphia = flammend), zu Antiochia geboren und christlich erzogen, kam als Sklavin in das Haus der vornehmen Frau Sabina zu Rom. Ihre Demut und Arbeitsamkeit und ihr Gehorsam machten auf ihre heidnische Gebieterin einen solchen Eindruck, dass diese sich von ihr im Glauben unterrichten und dann taufen ließ. Von nun an wurde Seraphia wie eine Schwester betrachtet und behandelt. Sie wurde als Christin verhaftet und vor Gericht geführt, aber von Sabina so geschickt verteidigt, dass sie einstweilen freigegeben wurde. Bald zog man sie wieder gefänglich ein. Sie bat ihre Gebieterin, aus Vorsicht sie nicht mehr zu Gericht zu begleiten. Nun wurde Seraphia zwei Wüstlingen überlassen, welche aber ein Engel Gottes tot zur Erde niederstreckte. Der Richter erklärte dies für Zauberei. Die heilige Bekennerin entgegnete: »Die Christen verabscheuen alle Zauberei; sie stehen aber unter dem Schutze des allmächtigen Gottes, der jene verderben wird, welche den Tempel Gottes schänden«. Auf Verlangen des Richters betete die Heilige – und jene beiden kehrten ins Leben zurück. Des ungeachtet wurde die fromme Jungfrau entkleidet und mit brennenden Fackeln gequält. Auf ihr Gebet hin wurden die Schergen lahm und die Fackeln erloschen. Endlich wurde die Heilige enthauptet den 3. September 120.

Lehre. Mutig sprach die heilige Seraphia zum Richter: »Ich bin eine Christin und ehre meinen Gott als den einzig wahren Gott der Christen. Diesem allein opfere ich und nicht deinen falschen Göttern. Ich opfere weder Ochsen noch Kälber, sondern mich selbst, meinen Leib und meine Seele und mein Leben. Der Tempel Gottes ist mein Leib und meine Seele. In diesem Tempel wohnt er; denn ich habe meine jungfräuliche Reinigkeit meinem Gott verlobt. Ein keuscher Leib und eine keusche Seele ist ein Tempel Gottes«.

Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deine Gnaden niemandem versagst und die Niedrigen sogar den Stolzen dieser Erde vorziehest: gewähre uns durch die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Seraphia, dass wir demütig von uns denken, dir treu dienen und unseren Leib als deinen Tempel ansehen und rein bewahren. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

36/2016