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Jahrgang 2016 Nummer 23

Heilige Saturnina, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Saturnina stammte aus einem vornehmen Geschlechte in Deutschland und gelobte schon als Kind die Jungfräulichkeit. Die Eltern wollten sie durchaus verheiraten. Als die fromme Jungfrau sah, dass sie dem Drängen der Eltern in der Länge nicht widerstehen und den Zumutungen ihres schlimmen Freiers nicht entgehen könnte, so flüchtete sie sich und kam nach Belgien. Allein dieser verfolgte ihre Spur. Saturnina erblickte ihn plötzlich und erzitterte am ganzen Leibe. Sie eilte auf eine Schafherde zu und wollte sich unter den Hirten verbergen. Ihr Verfolger fand sie jedoch, erkannte sie, fiel wütend über sie her und schlug ihr mit dem Schwerte das Haupt ab den 4. Juni um das Jahr 750. Der Leichnam der heiligen Jungfrau und Martyrin nahm wunderbarer Weise das Haupt in die Hände und ging so in die Kirche des heiligen Remigius zu Sains zwischen Cambrai und Arras. Der heilige Leib wurde in dieser Kirche beigesetzt. Die heilige Saturnina wurde alsbald verehrt. Man stellt sie von Schafen umgeben dar (siehe Bild!), weil sie sich zu einer Schafherde geflüchtet hatte.

Lehre. Die heilige Saturnina wählte lieber den Tod, um nur nicht ihrem himmlischen Bräutigam untreu zu werden. Fürwahr! Die Jungfräulichkeit ist vorzüglicher als der Ehestand. Wer aber zum Ehestande sich berufen fühlt, möge heiraten. Man besinne sich jedoch, bete, überlege, frage um Rat; denn ist die Wahl eine unglückliche, so folgt oft ein langwieriges Eheleben, voll Leiden und Trübsale, denen man nicht mehr zu entgehen vermag.

Gebet. O gütiger und allweiser Gott! der du die Herzen kennst und lenkest: verleihe durch die Fürbitte deiner heiligen Jungfrau und Martyrin Saturnina den dir verlobten Seelen die Gnade der Beharrlichkeit; und denen, welche zum Ehestande berufen sind, Gnade und Einsicht, dass sie ein gute Wahl treffen, nach deinem heiligen Willen leben und zur ewigen Glückseligkeit gelangen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

23/2016