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Jahrgang 2015 Nummer 35

Heilige Sabina, Witwe und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Sabina war von hohem Stande und mit Valentin, einem angesehenen Römer, verheiratet. Nach dessen Tode begab sie sich nach Umbrien. Unter ihren Sklavinnen hatte sie eine Christin, die Serapia (Seraphia) hieß. Diese war jungfräulich, äußerst demütig und sanftmütig und machte auf ihre Herrin einen solchen Eindruck, dass sie die christliche Religion annahm. Sabina behandelte nun ihre Untergebenen mit größter Milde und liebte ihre ehemalige Sklavin wie eine leibliche Schwester. Mit ihr besuchte sie die Armen und Kranken und spendete auch durch ihre Hand reiche Gaben. Unter Kaiser Hadrian I. wurde Serapia verhaftet, und weil die sich als »Tempel des Heiligen Geistes« weigerte, in einem Götzentempel zu opfern, wurde sie zuerst zwei Wüstlingen preisgegeben, gegen welche sie ein Engel beschützte. Dann sollte sie mit Prügeln totgeschlagen werden, aber die Schergen ermüdeten, die Prügel sprangen entzwei und ein Splitter flog dem Richter in das Auge, woran er erblindete. Hierauf wurde sie enthauptet um das Jahr 120. Die heilige Sabina wurde noch einige Zeit als edle Römerin und mit Rücksicht auf ihre mächtigen Freunde verschont. Allein im nächsten Jahre ward auch sie vom Präfekten Elpidius zu Rom gefänglich eingezogen, und weil sie den Glauben an Christus mutig bekannte, enthauptet. Das Andenken der heiligen Martyrin Sabina wird am 29. August gefeiert.

Lehre. Wo die katholische Religion ihren wohltätigen Einfluss ausüben kann, hört überall die Sklaverei auf, welche die Menschen am unwürdigsten behandelt. O möge niemand seinen Nächsten gering schätzen oder verachten, noch weniger aber unterdrücken! Und wenn, da es verschiedene Stände geben muss, Hohe und Niedere vom christlichen Geiste durchdrungen sind, dann verschwinden die Härten: die Hohen sind liebevoll, teilnehmend, wohlwollend; die Untergebenen bescheiden, gehorsm, treu und arbeitsam.

Gebet. O gütiger Herr, der du deiner heiligen Dienerin und Martyrin Sabina so große Nächstenliebe und Standhaftigkeit im Martyrium verliehen hast: schenke uns deine Gnade, dass wir unseren Nächsten achten und lieben und alle Widerwärtigkeiten ertragen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

35/2015