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Jahrgang 2016 Nummer 29

Heilige Reineldis, Jungfrau und Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Reineldis (Raineldis = rein, lauter) war die Tochter des Herzogs Witger und der heiligen Amalia. Sie wallfahrtete in das heilige Land und brachte Reliquien mit. Schon früh hatte sie die Jungfräulichkeit gelobt und fasste nun den Entschluss, ihre Güter den Armen, Kirchen und Klöstern zu schenken. Zudem widmete sie sich dem Dienste der Armen, Elenden und Verlassenen. Nur ein Landgut in der Nähe des Städtchens Sancten im Hennegau (Belgien) behielt sie für sich und lebte wie eine Klausnerin. Als die wilden Ostfriesen und Niedersachsen einfielen und alles verheerten, ergriffen die erschreckten Bewohner die Flucht. Die Heilige schloss sich bei Annäherung derselben in die Kirche von Sancten mit zwei Gefährten ein. Die Barbaren erbrachen die Kirchentüren, rissen sie vom Altare, den sie umfasste, weg, schleiften sie an den Haaren unter vielen Misshandlungen durch die Kirche und hieben ihr das Haupt ab den 16. Juli um das Jahr 680. Mit ihr wurden der heilige Subdiakon Grimoald und der heilige Diener Gondulph gemartert; der erstere wurde enthauptet; dem letzteren trieben sie drei große Nägel durch den Kopf. Die heilige Reineldis wird bei Wunden, die immer wieder aufbrechen und eitern, als Helferin angerufen.

Lehre. An der heiligen Jungfrau und Martyrin Reineldis leuchten besonders die drei göttlichen Tugenden hervor, worüber der heilige Kirchenlehrer Hieronymus sagt: »Drei Tugenden sind es, ohne welche wer etwas wirken kann, doch nicht gerettet werden kann: der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Durch den Glauben bewahren wir das, was wir angefangen haben; durch die Hoffnung werden wir aufgerichtet und in der Liebe werden wir vollendet«.

Gebet. O Gott, der du deine heilige Jungfrau Reineldis durch die Palme des Martyriums zum Himmel geführt und ihr die Heiligen Grimoald und Gondulph als Leidensgefährten beigegeben hast: wir bitten dich, schenke deine Dienern die Verzeihung aller Sünden, damit sie durch die Fürbitte und Verdienste jener von allen Übeln befreit zu werden verdienen. Amen.

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

29/2016