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Jahrgang 2016 Nummer 33

Heilige Radegund, Jungfrau und Dienstmagd

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Radegund (Radiana) war gebürtig aus Wolfrathshausen (Pfarrei Haberskirch) und im Dienste auf dem Schlosse Wellenburg bei Augsburg. Wenn sie ihr Tagwerk fleißig und treu verrichtet hatte, so besuchte sie die Armen und Kranken in der Nachbarschaft und brachte ihnen zu essen, was sie sich vom Munde abgespart hatte. Es war in der Nähe ein Leprosenhaus; sie reinigte und verband die Wunden der Presthaften und verschaffte ihnen jede mögliche Linderung. Sie achtete aber genau auf das Eigentum der Herrschaft und gab nichts Unerlaubtes weg. Jedoch einige Mitbedienstete waren ihr nicht gewogen. Sie machten den Herrn misstrauisch; derselbe stand plötzlich vor ihr und wollte sehen, was sie in der Schürze trage. Die Heilige betete zu Gott und erklärte dann, sie hätte Kämme und Lauge darin – und das fand sich auch vor. Auf einem solchen Liebesgange wurde Radegund von hungrigen Wölfen angefallen (siehe Bild!) und schwer verletzt. Nach drei Tagen starb die Heilige an den erhaltenen Wunden um das Jahr 1300. Ihre heiligen Reliquien hatten verschiedene Schicksale und ruhen jetzt in der Pfarrkirche zu Waldberg. Ihr Verehrungstag ist der 13. August. Es wird ihr Fest jährlich am vierten Sonntage nach Pfingsten gefeiert. Bei Wellenburg ist eine ihr geweihte Kapelle.

Lehre. Die heilige Dienstmagd Radegund war bestrebt, immer das Rechte zu tun. Beherzigen wir die Mahnung des heiligen Franz von Sales: »Wenn wir recht handeln, dann mag die Welt schreien, kritisieren, murren, so viel sie will; hören wir alles ruhig an, leiden wir es, entsetzen wir uns über nichts, sondern fahren wir mit Treue und Festigkeit in unserem Tun fort.«

Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! der du deine Jungfrau Radegund von ihrem einfachen Stande einer Dienstmagd zu so großer Herrlichkeit erhoben hast: wir bitten dich demütig, du wollest uns durch ihre Verdienste und Fürbitte deine mächtige Gnade verleihen, dass alle unsere Gedanken, Worte und Werke stets mit der guten Meinung zu deiner Verherrlichung geschehen; dass wir stets in deiner heiligen Gegenwart wandeln und nur dir zu gefallen uns bemühen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

33/2016