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Jahrgang 2016 Nummer 37

Heilige Pulcheria, Jungfrau und Kaiserin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Pulcheria (= schön) war die Tochter des griechischen Kaisers Arcadius zu Konstantinopel, geboren 396. Als dieser 409 starb, war der Thronerbe Theodosius II. erst acht Jahre alt. Die fromme Prinzessin gelobte die Jungfräulichkeit, wurde wegen ihrer Tugenden 414 zur Augusta erhoben und nahm mit dem Minister Anthinus an der Vormundschaft über ihren Bruder und an der Reichsregierung teil. Sie baute und beschenkte Kirchen und Altäre, gründete Spitäler für Arme und Kranke und ließ Friedhöfe anlegen zur Bestattung verstorbener Pilger und Fremdlinge. Pulcheria sorgte auch für gute Sitten und für den Wohlstand der Untertanen und gewann deren volle Liebe. Im Jahre 421 heiratete Kaiser Theodosius II. die Eudoxia und erhob diese zur Mitregentin. Daher musste Pulcheria weichen; sie ging in die klösterliche Einsamkeit und wollte die ganze Welt vergessen und von ihr vergessen sein. Sie widmete sich der Lesung frommer Bücher und religiösen Übungen. Aber das Reich geriet in Verfall. Daher übernahm die Heilige nach dem Tode ihres Bruders 450 abermals die ganze Regierung in ihre von Gott gesegnete Hand und ging zur Sicherung des Reiches mit dem vortrefflichen Marcian eine Ehe ein, in welcher sie jungfräulich lebte. Nachdem die heilige Kaiserin noch sehr viel Gutes getan und ihren Wohltätigkeitssinn an Kirchen und Armen in vollem Maße befriedigt hatte, sowie stets für das Wohl der heiligen Religion und die Ausrottung von Irrlehren bedacht gewesen war, ging sie in die ewige Ruhe ein am 10. September 453.

Lehre. Hüte dich, o christliche Seele! vor dem Ehrgeize und betrübe dich nicht, wenn du dich zurückgesetzt fühlst. Stelle wie die heilige Pulcheria alles Gott anheim und baue auf seine heilige Vorsehung, welche dich nie verlassen, sondern dir jenen Platz und jene Stellung anweisen wird, welche zu deinem Heile sind.

Kirchengebet. O Gott, der du deine heilige Jungfrau Pulcheria mit dem besonderen Vorzuge der Reinheit geschmückt hast und ihr zur Verteidigung deiner Kirche eine so große Liebe zum Glauben verliehen hast: gewähre, dass wir durch ihre Fürbitte dir mit reinem Gemüte treu bleiben und durch deine Barmherzigkeit von den Nachstellungen aller Feinde befreit werden. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

37/2016