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Jahrgang 2020 Nummer 10

Heilige Perpetua und heilige Felicitas, Martyrinnen

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Perpetua (= beständig), zu Carthago in Afrika vornehm geboren und verheiratet, wurde, erst 22 Jahre alt, als Christin verhaftet und ins Gefängnis geführt. Dort machten ihr die rohen Späße der Soldaten und die Sorgeumihr Söhnlein große Pein. Ihr Vater bot dreimal alles auf, sie wankend zu machen – jedoch umsonst. Zu ihr kam in Haft Felicitas (= glücklich), eine Frau aus dem Volke, welche ein Töchterchen gebar. Beide Frauen wurden nebst einigen anderen Christen vor den Richterstuhl des Hilarion geführt und bekannten mutig den heiligen Glauben. Alle wurden zum Tode durch wilde Tiere verurteilt und in den Kerker zurückgebracht. Perpetua hatte wiederholt ein trostreiches Traumgesicht. Am Feste zu Ehren des Kaisers Septimius Severus wurden die heiligen Bekenner aus dem Gefängnisse geführt und gingen fröhlich in das Amphitheater, wo sie dem Richter die Worte zuriefen: »Du richtest uns, dich aber wird Gott richten«. Dafür wurden sie auf das Geschrei des Volkes gegeißelt. Jede der beiden Frauen wurde ganz entkleidet und in ein Netz eingehüllt. Da jedoch das Volk darüber murrte, durften sie sich wieder bekleiden. Eine wilde Kuh wurde losgelassen, welche eine jede in die Höhe warf (siehe Bild) und mit den Hörnern verwundete. Dann wurden beide weggetragen. Mit den andern Christen abermals ins Amphitheater geschleppt, erhielten sie den sogenannten Gnadenstoß, indem ihnen von Fechtern der Hals durchstochen wurde. Die heilige Perpetua erhielt durch Ungeschicklichkeit arge Stiche zwischen den Rippen und richtete dann selbst das Schwert auf ihre Kehle. Dies geschah am 7. März 203.

Lehre. Die gemeinen Späße der Soldaten und Schergen verletzten die heilige Perpetua fast noch mehr als die Martern. Möchten doch nie aus dem Munde von Christen rohe Späße, Zoten, Possen und Verhöhnungen Unglücklicher hervorgehen! Es wurden durch solche Gemeinheiten schon oft Feindschaften und Schlägereien verursacht. Welch großes Ärgernis wird dadurch besonders der Jugend gegeben!

Gebet der Kirche. Verleihe uns, wir bitten dich, o unser Herr und Gott, dass wir den Triumph deiner heiligen Martyrinnen Perpetua und Felicitas stets andächtig ehren; und weil wir sie nicht würdig genug lobpreisen können, wenigstens demütig ihnen nachzufolgen uns bemühen. Amen.

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

10/2020