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Jahrgang 2012 Nummer 48

Heilige Natalia, Witwe

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Natalia war die Gemahlin des Kriegsobersten Adrian (Hadrian). Dieser musste auf Befehl des Kaisers Maximilian die Christen verfolgen. Als sich 23 Christen bereit erklärten, für ihren Glauben zu sterben, bewog dies den Adrian, Christ zu werden. Er wurde bald als Christ erkannt und schrecklich gefoltert. Natalia ermunterte ihn zur Ausdauer. Als er bei Nacht aus dem Gefängnisse zu ihr kam, um Abschied von ihr zu nehmen, erschrak sie, weil sie meinte, er möchte abgefallen sein. Er dankte ihr für alle Liebe und Treue und ging in den Kerker zurück. Weil keine Frauensperson mehr dorthin gehen durfte, besuchte ihn Natalia als Mann verkleidet und verpflegte ihn liebreich. Sie harrte bei ihm aus, da ihm und jenen 23 Christen Hände und Füße abgehauen wurden, und er als Martyrer starb den 8. September 290. Die heiligen Leiber sollten verbrannt werden, blieben aber unverletzt und wurden heimlich nach Konstantinopel gebracht. Natalia behielt einen Arm ihres heiligen Gemahls bei sich. Sie schlug eine zweite Heirat aus und reiste nach Konstantinopel; während der Fahrt erschien der heilige Adrian und rettete das Schiff vor dem Untergange. Dort erschien er ihr noch einmal und kündete ihr an, dass sie nun auch bald in die ewige Ruhe eingehen dürfe. Die heilige Natalia entschlief denn auch in der folgenden Nacht, am 1. Dezember.

Lehre. Der heilige Gregor von Nazianz gibt der Frau folgende Mahnung: »Gib deinem Manne nie Anlass, dir zu zürnen. Gib ihm nach, wenn er im Zorne auffährt. Stehe ihm bei, tröste ihn in seinen Leiden, rede mit ihm in aller Sanftmut und Zärtlichkeit. Sei bescheiden in den Gegengründen, die du gegen seine Meinung vorbringst, und benütze dazu einen günstigen Augenblick. Habe Mitleid mit den Schwächen deines Mannes und halte ihm nie mit Bitterkeit etwas vor«.

Gebet. O Gott, der du deiner heiligen Dienerin Natalia eine so heilige Liebe zu ihrem Gemahle eingeflößt hast, dass sie ihn zur Standhaftigkeit aufmunterte und ihm alle möglichen Dienste erwies, verleihe allen Verehelichten, dass sie in wahrer Eintracht und Liebe leben und gemeinsam den Himmel zu erlangen sich bemühen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

48/2012