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Jahrgang 2016 Nummer 53

Heilige Melania die Jüngere, Witwe

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Melania, die Jüngere genannt, zum Unterschiede von ihrer Großmutter Melania, wurde 382 zu Rom geboren. Die Eltern hießen Publicola und Albina. Alle irdischen Gaben wurden der Melania zuteil: Adel des Geschlechtes, Anmut des Geistes und Körpers, feine Bildung und großartige Reichtümer. Mit dem heiligen Pinian lebte sie einige Jahre in glücklicher Ehe. Die Kinder starben jedoch alle frühzeitig. Nun lebten die frommen Gatten in gänzlicher Enthaltsamkeit und gaben allmählich viele Güter den Armen. Die fromme Mutter reiste mit Melania und Pinian nach Afrika, wo sie zu Tagaste unter Leitung des heiligen Bischofs Alypius mehrere Jahre in Abtötung und religiösen Übungen verlebten. Im Jahre 419 pilgerten sie nach Jerusalem, um ihre Andacht an den heiligen Stätten zu verrichten. Melania brachte in der Kirche des heiligen Grabes ganze Nächte zu und beschloss, von nun an in Jerusalem zu bleiben. Auf dem Ölberge erbaute sie sich eine Hütte. Weil aber der Ruf ihres heiligen Lebens viele Witwen und Jungfrauen herbeizog, so gründete sie in der Nähe von Jerusalem ein Frauenkloster und eine Kirche und übernahm die Leitung des Klosters. Auch der heilige Pinian erbaute in der Nähe ein Kloster und lebte mit 30 Mönchen gottselig bis an sein Ende im Jahre 435. Beinahe alles Vermögen hatten die beiden heiligen Ehegatten zur Gründung von Klöstern, Erbauung von Kirchen, Unterstützung der Armen, zur Hilfe für die verfolgten Bischöfe und Priester verwendet. Die heilige Melania gründete zuletzt noch in der Nähe des Kalvarienberges ein Mönchskloster und starb glückselig im Herrn den 31. Dezember 439. Wunder verherrlichten ihr Andenken.

Lehre. Heute, als am letzten Tage des Jahres, beherziget, o Christen, dass alle Menschen zur ewigen Seligkeit berufen sind, und bemühet euch, dieselbe durch Nachfolge Christi und der Heiligen zu erreichen. Stunde, Tag und Jahr des Todes sind verborgen. Haltet euch stets bereit und sprechet oft das letzte Wort der heiligen Melania: »Herr, dein Wille geschehe!«

Kirchengebet. Wir bitten dich, o allmächtiger Gott! verleihe uns durch die Fürbitte deiner heiligen Dienerin Melania, dass uns die Beispiele deiner Heiligen zur Besserung unseres Lebens bewegen und wir auch die Tugenden jener nachahmen, deren Feste wir feiern. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

53/2016