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Jahrgang 2020 Nummer 11

Heilige Mathildis, Königin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Mathilde (= mächtige Heldin), geborene Gräfin, war fleißig, sittsam, demütig, freigebig, anmutig. Herzog Otto von Sachsen wollte sie als Braut für seinen Sohn Heinrich. Die Ehe wurde geschlossen. Heinrich I. (der Finkler) bestieg 919 den deutschen Königsthron. Je größer nun die Macht und das Ansehen der Heiligen wurde, um so mehr verdemütigte sie sich vor Gott. Ihrer Umgebung galt sie nicht als Herrin, sondern als eine liebe Mutter. Nie ging ein Betrübter ungetröstet von ihr; jeder erhielt, was er verlangte. Selbst für Verurteilte bat sie um Gnade. Mit ihrem Gemahl lebte Mathilde so friedlich, dass beide nur Ein Herz und Eine Seele zu sein schienen. Er gewährte ihr jeden Wunsch, weil er überzeugt war, dass sie nie etwas Unlöbliches wollte. Der Ehe entsprossen vier Prinzen (darunter Kaiser Otto I.) und eine Prinzessin. Als der König 936 starb, ertrug sie den herben Verlust mit tiefster Ergebung. Sie ließ ihn im Servatiusmünster zu Quedlinburg würdig bestatten und berief dorthin Klosterfrauen,umbeständig für den Verstorbenen zu beten. Sie stiftete drei Klöster. Als Witwe übte sie Gottesfurcht, Geduld, Starkmut, Barmherzigkeit, Friedensliebe, Sittsamkeit und Andacht. Die Heilige genoss nur die notwendige Nahrung, war immer mit etwas Nützlichem beschäftigt und las nur mehr geistliche Schriften, besonders das Leiden Christi und das Leben der Heiligen. Keinen Tag unterließ sie die heilige Messe. Den Armen, Witwen, Waisen und Pilgern war Mathilde eine zweite Mutter. Die Verkennung durch zwei Söhne ertrug sie geduldig und obsiegte. Gott verlieh ihr die Gaben der Tränen und Weissagung. Die Heilige verschied am 14. März 968. Ihr heiliger Leib ruht neben dem ihres Gemahls in der Krypta der Schlosskirche zu Quendlinburg.

Lehre der heiligen Mathilde. Durch geduldige Ertragung der Widerwärtigkeiten kann man sich viele Verdienste sammeln. Aber man verliert einen großen Teil seiner Verdienste, wenn man die Liebe gegen jene verliert, die uns Gelegenheit zu Leiden geben.

Gebet. O Gott, du hast der heiligen Mathilde so große Standhaftigkeit in den Leiden und Liebe gegen ihre Widersacher verliehen: schenke uns die Gnade, dass auch wir alles Widerwärtige geduldig ertragen und keine Bitterkeit gegen die Beleidiger im Herzen behalten mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

11/2020