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Jahrgang 2016 Nummer 31

Heilige Julitta, Martyrin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Julitta, eine reiche und angesehene Frau zu Cäsarea, hatte viele Güter. Einer der hervorragendsten Bürger, welcher bereits viele Reichtümer durch List und Erpressungen zusammengerafft hatte, riss auch einen großen Teil des Besitzes der Julitta an sich. Diese suchte ihr Recht bei Gericht und begründete ihre Klage. Der gewalttätige Gegner brachte aber vor, sie hätte kein Recht, zu klagen, weil sie eine Christin sei und die Götter des Kaisers nicht ehre. Kaiser Diocletian hatte nämlich im Jahre 303 in seinem ersten Edikte die Christen des gesetzlichen Schutzes und aller bürgerlichen Vorrechte für verlustig erklärt. Der Richter befahl nun der Julitta, den Göttern zu opfern. Sie erklärte aber, eher wolle sie alle Güter verlieren, ja ihren Leib in Stücke zerhauen lassen, als den einen wahren Gott verleugnen. So wurde jenem ungerechten Manne sein Raub belassen, die unschuldige Frau aber zum Feuertode verurteilt. Freudig hörte die Dienerin Christi das Todesurteil und ermunterte sogar die umstehenden Frauen zum standhaften Bekenntnisse Christi. Sie sollten sich nicht auf ihre natürliche Schwäche berufen, weil sie ja vom nämlichen Stoffe wie die Männer und ebenso nach Gottes Ebenbild erschaffen seien. Die Glaubensheldin bestieg mutig den brennenden Scheiterhaufen und gab auf demselben ihren Geist auf, ohne Zweifel durch den Rauch erstickt, wobei ihr Leib vom Feuer wunderbar unversehrt blieb den 30. Juli 305. Der heilige Basilius, Bischof jener Stadt, hielt auf die Heilige eine Lobrede, worin er das Vorstehende vortrug.

Lehre. Gott stärkte seine heiligen Martyrer, damit sie die Peinen, welche weit über die Kraft des Menschen hinausgingen, auszuhalten vermochten; oder er half ihnen, dass sie, was über ihre Kräfte ging, nicht mehr verspürten. Gott lässt niemanden über seine Kräfte versuchen, wie der heilige Apostel Paulus versichert, sondern gibt bei der Versuchung den Ausgang, dass man sie ertragen könne. Vertrauen wir daher auf Gott – mit seiner Gnade und Kraft werden wir alle Prüfungen etc. bestehen können.

Gebet. Verleihe uns, o Herr, deine wirksame Gnade, dass wir die Liebe zu dir jeder andern vorziehen und den Glauben, für welchen die heilige Martyrer gelitten und ihr Leben geopfert haben, standhaft bekennen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

31/2016