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Jahrgang 2015 Nummer 1

Heilige Jenovefa, Jungfrau

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Genovefa (= Mutter des Volkes) wurde zu Nanterre bei Paris in Frankreich geboren. Der heilige Bischof Germanus von Auxerre erblicke die heranwachsende Jungfrau unter dem Volke, berief sie zu sich, prophezeite ihr die künftige Größe und empfahl ihr die Bewahrung beständiger Jungfräulichkeit. Sie erhielt zum Andenken eine Medaille von Kupfer mit aufgeprägtem Kreuze, welche als einziger Schmuck von ihr getragen werden sollte. Genovefa stimmte freudig bei, lebte ganz gottgefällig und hütete die Schafe, bis sie nach dem Tode ihrer Eltern von ihrer Taufpatin in Paris zu sich genommen wurde. Vom Bischof Julius erhielt Genovefa den jungfräulichen Schleier, machte in der Beschaulichkeit große Fortschritte und zeigte heldenmütige Geduld, als sie für eine Heuchlerin ausgeschrieen wurde. Doch Gott nahm diese Prüfung wieder von ihr. Sie betrachtete zwölf Tugenden als ihre Schwestern: »Glaube, Enthaltsamkeit, Geduld, Großmut, Einfalt, Unschuld, Friedfertigkeit, Liebe, Strenge, Keuschheit, Wahrheit und Klugheit«. Nun stellte sie Gott auf den Leuchter. Die Heilige beschützte die Stadt Paris gegen den grausamen Hunnenkönig Attila; auch andere Städte erfuhren ihren Schutz. Zahlreich sind ihre Wundertaten. Reich an Tugenden und Verdiensten schied die Heilige von dieser Erde, 89 Jahre alt, den 3. Januar 512 und wurde von der Stadt Paris zu ihrer Schutzpatronin erwählt. Ihr heiliger Leib ward neben König Chlodwig in der später nach ihr benannten Kirche feierlich beigesetzt. Die wütenden Revolutionäre verbrannten 1793 den größten Teil ihrer Reliquien; ein kleinerer Teil konnte gesichert werden, der nun in ihrer Kirche verehrt wird, indem diese jetzt wieder ihrer Bestimmung zurückgegeben ist, nachdem sie damals entweiht und zum Pantheon erklärt worden war.

Lehre. Beherzige und befolge, o Christ! die Mahnung des heiligen Germanus an Genovefa: »Bemühe dich, was du mit dem Herzen glaubst und mit dem Munde bekennst, in Werken zu erfüllen«. Lass dich durch Schmähungen, Verleumdungen, Spott in der Tugend nicht irre machen; denn die Tugend wird im Feuer der Trübsal erst geklärt, gestärkt, veredelt und für den Himmel reif.

Gebet. Schenke mir, o Gott! durch die Fürbitte deiner Dienerin Genovefa ein reines und gläubiges Herz, damit ich nur dir diene und mich nicht durch menschliche Rücksichten, Verspottung oder Verleumdung von der Tugend und deinem Dienste abwendig machen lasse; sondern dir treu bleibe in Zeit und Ewigkeit. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

1/2015