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Jahrgang 2016 Nummer 38

Heilige Hildegardis, Jungfrau und Äbtissin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Hildegard (= holde Beschützerin) wurde 1098 zu Böckelheim in Rheinpreußen geboren. Die adeligen und frommen Eltern Hildebert und Mechthild weihten ihr einziges Kind dem lieben Gott und übergaben dasselbe der seligen verwandten Jutta im Benediktinerinnenkloster auf dem Disibodenberge zur Erziehung und Ausbildung. Hildegard hatte schon vom dritten Lebensjahre an merkwürdige Visionen und Offenbarungen. Ihr ganzes Leben lang hatte sie mit Krankheiten zu kämpfen, welche sie mit größter Geduld ertrug. Sie trat selbst in den Orden ein, wurde bald Vorbild in allen Tugenden und deshalb zur Äbtissin erwählt. Ihre Offenbarungen schrieb sie aus Gehorsam in lateinischer Sprache nieder. Sie gründete ein Kloster auf dem St. Rupertusberge bei Bingen am Rhein und zog mit Klosterfrauen in dasselbe über. Zudem gründete sie auch noch ein Kloster in Eibingen. Gott erwählte seine Dienerin zu einem außerordentlichen Berufe. Wie der heilige Bernard war sie eine Leuchte für ihr Zeitalter. Gott verkündete durch sie wie durch eine Prophetin seine Ratschlüsse an die Menschheit. Den Ihrigen war die fromme Äbtissin eine Lehrmeisterin in der Vollkommenheit, hielt dieselben in strenger Zucht, behandelte sie aber mit mütterlicher Liebe. Sie hatte von Gott auch die Kenntnis der Herzen und die Wunderkraft erhalten, machte viele Reisen und wurde schon im Leben wie eine Heilige geehrt. Gott berief seine treue Dienerin zu sich am 17. September 1179. Ihr heiliger Leib wurde zuerst in der Klosterkirche beigesetzt und später nach Eibingen übertragen.

Lehren der heiligen Hildegard. »Der Leib ist das Kleid der Seele, welche in ihm eine lebendige Stimme hat; und darum geziemt es sich, dass der Leib mit der Seele durch die Stimme Gott lobsinge. Wie die Sonne, welche an das Firmament des Himmels gesetzt ist, die irdische Schöpfung beherrscht, und nichts sie zu verdunkeln vermag: so wird auch jeder Gläubige, der sein Herz und seinen Sinn in Gott befestigt, von ihm nicht weggerissen werden können«.

Kirchengebet. O Gott, der du deine heilige Jungfrau Hildegard mit himmlischen Gaben geschmückt hast: wir bitten dich, verleihe uns, dass wir beharrlich ihren Fußstapfen und Lehren folgen und aus der Finsternis dieser Welt zu deinem erfreulichen Lichte zu gelangen verdienen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

38/2016