weather-image
12°
Jahrgang 2016 Nummer 19

Heilige Germana Cousin, Jungfrau

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Germana Cousin wurde als die Tochter armer Landleute zu Pibrac in Frankreich 1579 geboren. Sie war an einer Hand gelähmt und durch einen Kropf entstellt. Die Stiefmutter setzte sie allen Halbgeschwistern nach und behandelte sie hart. Germana musste im Schafstalle schlafen. Am liebsten hütete sie die Schafe, denn da hatte sie Ruhe, konnte den Rosenkranz beten und frommen Gedanken sich überlassen. Schulunterricht bekam sie nicht. Ihre Freude war die heilige Messe; sobald die Glocke ertönte, stellte sie Stab und Spinnrocken in den Boden und beließ die Herde unter dem Schutze Gottes, der nie fehlte. Einmal ging sie trockenen Fußes über einen angeschwollenen Bach zur Kirche. Das kärgliche Brot teilte sie sogar noch mit den Armen. Als die Stiefmutter sie deshalb schalt und ihr die Schürze aufriss, lagen in derselben die schönsten in jener Gegend und Jahreszeit sonst nicht vorkommenden Blumen. Die Stiefmutter wurde hiedurch erschreckt und gänzlich umgewandelt; sie bat ihre fromme und verkannte Tochter um Verzeihung und erwies ihr nun volle mütterliche Liebe. Jetzt aber fing Germana zu kränkeln an; auf ihre Bitte durfte sie wieder einmal im Stalle schlafen und starb während der Nacht des z. Mai 1601. Man fand sie tot; ihr Leib erschien ganz verklärt. Nach 40 Jahren wurde ihr heiliger Leib unverwesen in der Kirche aufgefunden. Infolge zahlreicher Wunder zählte sie Papst Pius IX. 1853 den Seligen und am 29. Juni 1867 den Heiligen bei.

Lehre. Nicht selten sind Stiefväter und Stiefmütter ihrer Pflichten uneingedenk und behandeln ihre Stiefkinder so lieblos. Sie sollen beherzigen, dass sie die gleichen Pflichten übernommen haben, welche den wirklichen Eltern auferlegt sind. Jedoch sollen auch die Stiefkinder ohne Vorurteil und mit Liebe und Vertrauen dem Stiefvater oder der Stiefmutter entgegenkommen; dadurch ersparen sie sich selbst viele Unannehmlichkeiten.

Kirchengebet. O Gott, der du die Demütigen erhöhest und deine heilige Jungfrau Germana befähigt hast, durch den Glanz der Liebe und Geduld hervorzuleuchten: verleihe durch deren Verdienste und Fürbitte, dass wir willig das Kreuz tragen und dich stets zu lieben vermögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

19/2016