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Jahrgang 2016 Nummer 47

Heilige Elisabeth von Thüringen, Landgräfin, Witwe

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Elisabeth war die Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und dessen Gemahlin Gertrud, 1207 zu Preßburg geboren. Die Prinzessin war schon als Kind sehr fromm und wurde dann mit dem edlen Landgrafen Ludwig von Thüringen vermählt. Auch im Ehestande war Elisabeth auf Fortschreiten in den Tugenden bedacht. Trug sie auch kostbare Gewänder, so war sie doch sehr leutselig und barg unter denselben ein rauhes Bußkleid. Elisabeth wurde die Mutter der Armen, Kranken und Waisen. Als man sie wegen ihrer zu großen Freigebigkeit beim Landgrafen verdächtigte, und sie vom Schlosse Wartburg nach Eisenach herabstieg, wollte ihr Gemahl sehen, was sie denn alles in der Schürze habe. Sie öffnete dieselbe – und nur Rosen waren zu sehen mitten im Winter. Nun ließ ihr der Landgraf volle Freiheit. Elisabeth ließ sich auch in den dritten Orden des heiligen Franziscus von Assisi aufnehmen und erfüllte genau alle Vorschriften desselben. Der heilige Franziscus verehrte und sendete ihr seinen Mantel, den sie aus Ehrfurcht und mit Vertrauen dann über ihre Schultern legte, wenn sie eine besondere Gnade sich von Gott erbitten wollte. Ihr Gemahl nahm 1227 an einem Kreuzzuge teil. Schmerzlich war der Abschied im Vorgefühle, dass Elisabeth ihn nicht mehr auf Erden sehen würde, was auch eintraf. Inzwischen hatte sie das Land trefflich regiert und bei einer Hungersnot freigebigst gespendet. Sobald nun die Kunde vom Tode des Landgrafen sich bestätigte, wurde die Heilige von ihren Verwandten schmählich behandelt, der Herrschaft beraubt und mit ihren Kindern geradezu ins Elend gestoßen. Elisabeth zog einfache Kleider an, ergab sich völlig in Gottes Zulassung, bezog in Marburg eine einfache Wohnung und ernährte sich eine zeitlang mit dem kargen Lohne des Spinnens. Zwar wurde sie wieder in ihre Herrschaft eingesetzt, verzichtete aber darauf und lebte nach guter Versorgung ihrer Kinder ganz zurückgezogen, bis sie zu Marburg am 19. November 1231 verschied. Wegen vieler Wunder wurde Elisabeth schon 1235 vom Papste Gregor IX. heilig gesprochen.

Kirchengebet. Erleuchte, o barmherziger Gott! die Herzen deiner Gläubigen und verleihe durch die glorreiche Fürbitte der seligen Elisabeth, dass wir das Glück der Welt für gering erachten und uns des himmlischen Trostes erfreuen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

47/2016