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Jahrgang 2016 Nummer 25

Heilige Elisabeth von Schönau, Abtissin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Elisabeth (= Gott geweiht) war von edlem Stamme am Mittelrhein 1129 geboren. Mit zwölf Jahren schon trat sie in das Benediktinerinnenkloster zu Schönau und wurde, 18 Jahre alt, als Nonne eingekleidet. Nach fünf Jahren begannen ihre Visionen. Sie ward oft entzückt und schaute geheimnisvolle Dinge. Sie wurde wie die heilige Hildegard, mit welcher sie im innigsten Verkehre stand, von Gott auserwählt, um der sündhaften Menschheit ihre Sünden und die drohenden Strafgerichte vorzuhalten. Im höheren Auftrage diktierte Elisabeth ihre Visionen ihrem Bruder Egbert. Gott verhängte auch über sie außerordentliche Prüfungen. Sie hatte körperliche Gebrechen, Entbehrung alles Trostes, tiefste Schwermut und die schrecklichsten Zweifel, sogar Versuchungen zum Selbstmorde zu ertragen. Der liebe Gott half ihr aber wieder zur rechten Zeit und erhob sie durch die tiefsten Verdemütigungen zur Höhe jener Beschauung, welche sie weit über ihre Zeitgenossen stellte. Die Heilige, seit 1157 Priorin, war durch die Gnade Gottes so sehr der Welt abgestorben, dass sie bei ihren vielen Leiden noch zu größeren bereit war. Eine heftige und schmerzliche Krankheit gestattete ihr nur mehr zu sitzen und führte ihren Tod herbei. Elisabeth gab ihren Schwestern die letzten Ermahnungen, bat sie um Verzeihung ihrer Fehler und verschied am 18. Juni 1165.

Lehren der heiligen Elisabeth. »Beherziget, dass ihr leben sollt in aller Demut, im Gehorsam, in Liebe, ohne Murren, ohne Ehrabschneidung, Neid und Stolz, und dass ihr euch der anderen Fehler enthaltet. Liebet einander, damit der himmlische Vater in euch nicht gelästert und erzürnt werde; und dass ihr nicht vom rechten Wege, das ist vom Wege seiner Beschauung ab in das Verderben geratet«.

Gebet. O Herr, unser Gott! der du unter den üblichen Wundern deiner Macht, welche du an der heiligen Jungfrau Elisabeth gewirkt hast, auch deine unbegreifliche Erhabenheit den Augen ihres Geistes eröffnet und ihr die ewige Wohnung unter den seligen Geistern verliehen hast: wir flehen demütig deine Allmacht an, dass du auch unsere Seelen mit dem Lichte deiner Weisheit erleuchtest und uns zu dir, dem ewigen Lichte, durch ihre Fürbitte gelangen lassen mögest. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

25/2016