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Jahrgang 2012 Nummer 50

Heilige Christiana, Jungfrau und Sklavin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Christiana, eine christliche und fromme Jungfrau, wurde als Sklavin zu den Iberiern gebracht, welche zwischen dem schwarzen und kaspischen Meere wohnten. Da man ihren Namen nicht kannte, so hieß man sie einfach Christiana (= Christin); auch ist unbekannt, woher sie stammte. Sie scheint aus christlicher Demut das verschwiegen zu haben, was auf höhere Abstammung schließen ließe. Wegen ihrer Frömmigkeit wurde sie allgemein bewundert. Wenn man sie fragte, warum sie so streng lebe, so war ihre Antwort: »Ich bin eine Christin und muss Jesu Christo, dem wahren Gott, auf diese Weise dienen. Bei solchen Gelegenheiten pflegte sie die christlichen Wahrheiten zu verkünden und zu erklären. Nachdem Christiana ein krankes Kind wunderbar geheilt hatte, wurde sie noch mehr berühmt. Die kranke Königin hörte von ihr und ließ sich, da Christiana aus Demut den königlichen Palast nicht betreten wollte, zu ihr tragen. Auch die Königin wurde geheilt und nahm das Christentum an. Bald folgte der König selbst ihrem Beispiele, nachdem er auf der Jagd durch die Anrufung des Namens Jesu aus einer Lebensgefahr gerettet worden war. Diese zeigten sich nun bereit, das Christentum anzunehmen. Deshalb wurden Boten zum Kaiser Constantin dem Großen gesendet, um durch seine Vermittlung Bischöfe und Priester zu erhalten. Der Kaiser entsprach dem Ansuchen. Und so wurde durch eine einzige Christin, die zudem Sklavin war, ein ganzes Volk dem christlichen Glauben gewonnen. Die heilige Christiana lebte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts, also zwischen 300 und 350 ungefähr. Das Jahr ihres seligen Todes ist unbekannt. Ihr Verehrungstag ist der 15. Dezember.

Lehre. Die heilige Christiana war eine Christin nicht nur dem Namen nach, sondern im vollen Sinne des Wortes. Ein ganzes Volk wurde durch sie für das Christentum empfänglich gemacht. Der heilige Bernardus mahnt: »Die Christen haben ihren Namen von Christus erhalten. Es ist aber notwendig, dass gleichwie sie seinen Namen erben, ebenso ihm auch in seiner Heiligkeit nachfolgen«.

Gebet. O Gott, der du deiner heiligen Dienerin Christiana die besondere Gnade verliehen hast, mitten unter einem heidnischen Volke heilig zu leben; gewähre uns durch deren Fürbitte die Gnade, dass wir im Verkehre mit der Welt nicht Schaden leiden, sondern deiner eingedenk bleiben und unsere Mitmenschen durch tugendhaften Wandel erbauen. Amen.

 

Die Texte unserer „Heiligen-Legende“ stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

50/2012