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Jahrgang 2016 Nummer 18

Heilige Catharina von Siena, Jungfrau

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Catharina (= rein) stammte aus Siena in Italien; daher ihr Beiname »von Siena«. Sie lebte im Hause ihres Vaters, eines Färbers, einsam bis zum Tode. Schon in zarter Jugend gelobte sie die Jungfräulichkeit und empfing mit 18 Jahren das Kleid des dritten Ordens des heiligen Dominikus. Bei einer Erscheinung zeigte ihr Christus der Herr zwei Kronen, eine goldene und eine von Dornen und ließ ihr die Wahl (siehe Bild!). Catharina wählte die Dornenkrone und setzte sich selbe auf das Haupt. Ein anderes Mal prägte ihr Christus die fünf Wundmale ein, welche aber auf ihr Gebet hin weder bluteten, noch sichtbar blieben, sondern nur durch einen außerordentlichen Glanz erkennbar waren. Sie half den Armen, pflegte Kranke, bekehrte viele Sünder, sah künftige Ereignisse voraus und hatte die Kenntnis der Herzen. Die Heilige war sogar in weltlichen Angelegenheiten und in jenen der Kirche sehr tätig und führte den Papst Gregor XI. von Avignon nach Rom zurück. Die Gottesbraut starb zu Rom, 33 Jahre alt, den 29. April 1380. Papst Pius II. sprach sie 1461 heilig, und Papst Urban VIII. bestimmte als ihren Verehrungstag den 30. April.

Lehre. Die heilige Catharina klagte einst, als ihr Herz von den schändlichsten Versuchungen bestürmt wurde: »Ach, Herr! wo warst du, als du mich so sehr verlassen hast?« Der Herr antwortete ihr: »Ich war bei dir.« »Wie«, sprach sie, »konntest du denn mit mir sein unter so vielen schlechten Gedanken und so hässlichen und abscheulichen Bildern?« »Ja!«, erwiderte Jesus, »ich war in deinem Herzen und hatte meine Freude daran, diese Kämpfe und den Widerstand zu sehen, den du geleistet hast; denn wo keine Einwilligung von Seite der Seele ist, da ist auch keine Sünde.«

Kirchengebet. O Gott, du hast die heilige Catharina mit dem besonderen Vorzuge der Jungfräulichkeit und Geduld geschmückt und ihr verliehen, die Angriffe der bösen Geister zu besiegen und in der Liebe zu deinem Namen unerschütterlich zu verharren: wir bitten dich, gewähre uns, dass wir ihr nachfolgen, die Bosheit der Welt verachten, den Nachstellungen aller Feinde entgehen und sicher zu deiner Glorie gelangen mögen. Amen.


Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

18/2016