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Jahrgang 2020 Nummer 16

Heilige Aya, Herzogin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus, erschienen im Jahre 1890

Aya (Aia, Agia), eine geborene Gräfin aus dem Hennegau (in Belgien), war mit dem heiligen Herzoge Hildulph vermählt; dieser starb am 23. Juni 707. Die fromme Witwe schenkte ihre Erbgüter dem Kloster der heiligen Waltrud, ihrer Verwandten, zu Mons. Nach einem gottseligen Leben verschied die heilige Aya am 18. April 730 und fand nach ihrem Wunsche in der Kirche jenes Klosters ihre Grabstätte. Mehrere Jahre später begannen Anverwandte einen Prozess mit dem Kloster wegen Herausgabe jener Güter, welche die heilige Aya geschenkt, die aber nach dem Erbrechte und wegen der Verwandtschaft ihnen gebührten. Derselbe dauerte lange. Die Klosterfrauen beteten zu Gott und riefen die heilige Aya um ihre Fürbitte an. Beide Parteien begaben sich zum Grabe der Heiligen – und deutlich vernahmen sie die Stimme der Heiligen aus demselben, welche bezeugte, dass sie mit Recht ihre Güter dem Kloster geschenkt habe, und dass sie diese Schenkung für rechtsgültig halte. Damit war der Prozess entschieden.

Lehre. Die heilige Aya wird auf dem Bilde dargestellt mit einem Körbchen, in welchem Briefe (Urkunden) liegen. Viele erhielten ihren Beistand, indem entweder ein Prozess schneller vor sich ging, oder glücklich beendigt wurde; oder in zweifelhaften Fällen ihnen Recht ward; oder indem sie Urkunden wieder fanden, die verloren gegangen oder gestohlen worden waren. O Christen! lasset euch bei geringeren Sachen in keinen Prozess ein. Muss aber in wichtiger Angelegenheit ein Prozess durchaus durchgeführt werden, so schauet nur auf die Gerechtigkeit der Sache und rufet vertrauensvoll die Fürbitte der heiligen Aya an.

Kirchengebet. Allmächtiger, ewiger Gott! erzeige uns, deinen dich demütig Bittenden, deine Barmherzigkeit, dass, die wir auf unsere Verdienste nicht vertrauen dürfen, wir durch die Fürbitte deiner auserwählten heiligen Aya von dir nicht verurteilt werden, sondern deine Güte erfahren mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

16/2020