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Jahrgang 2015 Nummer 33

Heilige Athanasia, Witwe und Abtissin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Athanasia (= unsterblich) war die Tochter vornehmer und reicher Eltern auf der Insel Ägina (Griechenland). Sie hatte von Jugend auf ihre Freude an Gott und himmlischen Dingen und wollte sich dem Klosterleben widmen. Aber die Eltern verheirateten sie an einen Kriegsobersten, der jedoch bald in einer Schlacht das Leben verlor. Nun glaubte Athanasia, dem Drange ihres Herzens folgen zu dürfen. Aber sie musste nach dem Willen der Eltern eine zweite Ehe schließen. Durch ihre Sanftmut und Bescheidenheit, Frömmigkeit und himmlische Weisheit gewann sie ihren Gemahl ganz für Gott; er ging in ein Kloster. So wurde Athanasia frei. Weil kinderlos, wandelte sie ihr Haus in ein Kloster um, indem sie gleichgesinnte Frauen zu sich nahm und deren Vorsteherin ward. Die Heilige war voll Liebe und Demut. Besonders wurde ihre Geduld bewundert, da man sie für eine Heuchlerin ausschrie. Nach einigen Jahren erbaute Athanasia in einer mehr einsamen Gegend das Kloster Timia. Von einer schweren Krankheit befallen, ermahnte und tröstete sie ihre Mitschwestern und verschied den 14. August 860. Die Heilige wird mit einem Sterne auf der Brust abgebildet. Als sie nämlich in früher Jugend einmal am Webstuhle saß, und in Verzückung geriet, da kam ein glänzender Stern auf ihre Brust zu und verschwand darin, sodass sie ganz durchleuchtet wurde.

Lehre. Der heilige Cyprian sagt: »Wer es den Bösen nicht nachtut, beleidigt sie.« O Christ! richte dich nicht nach den Grundsätzen der Welt, insoferne sie den Geboten Gottes widerstreiten, damit deine Seele nicht Schaden leide.

Gebet. O Gott, der du deiner hl. Dienerin und Abtissin Athanasia himmlischen Sinn und Sehnsucht nach dem einsamen Leben eingeflößt hast: gib uns durch deren Fürbitte Erleuchtung und Gnade, dass wir uns nicht durch die falschen Grundsätze der Welt verleiten lassen, sondern uns genau nach deinen heiligen Lehren und Geboten richten und durch etwaigen Spott und Hohn nicht beirrt werden mögen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

33/2015