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Jahrgang 2020 Nummer 34

Heilige Anthusa, Jungfrau und Einsiedlerin

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Anthusa (= blühend) hatte reiche, aber heidnische Eltern zu Seleucia in Kleinasien. Sie sehnte sich, den heiligen Bischof Athanasius von Tharsus zu sehen und kennen zu lernen. Dieser war Helfer der Waisen, Beschützer der Witwen, Zuflucht der Unglücklichen und Stütze der Schwachen. Heimlich reiste Anthusa mit den zwei Dienern Charisius und Neophytus dorthin. Ein Engel führte den heiligen Bischof ihr entgegen. Auf dessen Gebet entsprang eine Quelle, mit deren Wasser der heilige Athanasius die Jungfrau Anthusa und ihre beiden Begleiter taufte. Der heilige Athanasius und die zwei Diener wurden bei der Christenverfolgung unter Kaiser Valerian zu Tharsus ergriffen und nach vielen Martern enthauptet den 22. August 260. Die heilige Anthusa begab sich in die Wüste und lebte noch 23 Jahre als Einsiedlerin. Ihr Leichnam blieb in der Höhle, in welcher sie gelebt hatte, bis ein Engel der Einsiedlerin Polychronia den Tod der Heiligen offenbarte. Als sie zur bezeichneten Höhle kam, war der heilige Leib so unversehrt, als wenn sie erst gestorben wäre. Nun bestattete Polychronia denselben mit Hilfe des Einsiedlers Abramius, der in der Nähe lebte. Auf Anregung Gottes hin wurde nach einiger Zeit über dem Grabe der heiligen Anthusa eine Kirche erbaut. Ihr Verehrungstag ist der 22. August.

Lehre. Die heilige Anthusa war eine echte Braut Christi. Der heilige Anton von Padua lehrt: »Der göttliche Heiland sendet der Braut vor seiner Vermählung im Himmel folgende Geschenke: 1. Das Kleid der Taufunschuld; 2. den goldenen Gürtel der Keuschheit; 3. das Halsgeschmeide der Sanftmut; 4. den Schleier der heiligen Liebe zu Gott und zu den Armen; 5. die Schuhe des guten Beispiels der Heiligen«.

Gebet. O Gott, der du deine heilige Jungfrau Anthusa zum Lichte des wahren Glaubens und zu deinem ewigen Lichte berufen hast: gewähre uns durch deren Fürbitte, dass wir stets im Lichte des heiligen Glaubens wandeln und die Abwege der Finsternis vermeiden. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

34/2020