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Jahrgang 2004 Nummer 46

Gustav Otto – Ein Pionier der bayerischen Luftfahrtindustrie

Ausstellung über den ersten bayerischen Flugzeughersteller in der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums

Söhne berühmter Väter stehen oft unter starkem Erfolgsdruck – aber nicht immer sind sie denn auch so erfolgreich wie Gustav Otto (1883-1926), Flugzeugbauer der ersten Stunde und Sohn des legendären Nikolaus Otto, Erfinder des Viertakt-Verbrennungsmotors. Als Flugzeug- und Motorenbauer hat Gustav Otto besonders im Münchener Raum die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstehende Motorfliegerei mitgeprägt. Er war nicht nur der erste bayerische Flugzeughersteller, sondern auch einer der ersten deutschen Piloten und Flugausbilder.

Bis zum 31. Januar 2005 zeigt der Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Oberschleißheim e. V. in der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums eine Ausstellung über Gustav Otto und sein Flugzeugwerk am damaligen Münchener Oberwiesenfeld, dem heutigen Olympia-Gelände. Die Ausstellung dokumentiert anhand von Objekten, Fotografien und Texten das Leben und Werk Gustav Ottos. Unter den Objekten befinden sich viele Archivalien wie Prospekte, Broschüren und Plakate seiner Firmen, aber auch Raritäten, wie eines der von ihm gebauten Motorräder. Der Ausstellungsort Flugwerft Schleißheim war immer eng mit dem Werk Ottos verbunden: Schleißheim war der Standort der 1912 gegründeten Königlich Bayerischen Fliegertruppen, die vorwiegend mit Doppeldecker-Flugzeugen der Firma von Gustav Otto ausgerüstet wurden. Dabei kam ihm die günstige Nähe seiner Firma zum Militärgelände des Oberwiesenfeldes zunutze; die Militärs hatten ihm sogar erlaubt, dort Flugversuche zu machen. Der von Gustav Otto gebaute Doppeldecker wurde zum Standardflugzeug der jungen Fliegertruppe und erwies sich zunächst als brauchbares Schul- und Aufklärungsflugzeug. Für den Fronteinsatz war es aber ungeeignet, das zeigte sich spätestens 1914 bei Beginn des 1. Weltkrieges. Der Firma ging es zusehends schlechter, Gustav Otto war gezwungen andere Flugzeuge in Lizenz zu bauen. 1916 schließlich ging die Flugmaschinenfabrik in Konkurs und wurde von einem Banken-Konsortium unter neuem Namen übernommen. Mitschuldig am Misserfolg Gustav Ottos war nicht unwesentlich die mit der Motorfliegerei überforderte bayerische und preußische Militärbürokratie. Noch im Krieg versuchte Gustav Otto mit einer neuen Firma, die Kleinmotorräder baute, wieder Boden zu gewinnen. Doch die nach Kriegsende einsetzende Inflation, gesundheitliche Probleme und familiäre Rückschläge brachten ihn 1926 in eine ausweglose Situation, die ihn schließlich in den Selbstmord trieb.

Was weder Gustav Otto noch sonst jemand damals ahnen konnte: Aus Ottos in Konkurs gegangener Flugzeugmaschinenfabrik wurde eines der größten deutschen Automobilunternehmen - die Bayerischen Motorwerke AG – BMW. Noch heute erinnert das Firmenlogo – ein Kreis mit weißblauen Feldern als Abbild eines sich drehenden Flugzeugpropellers – an die Herkunft von BMW.



46/2004