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Jahrgang 2012 Nummer 48

Grimms Märchen auch nach 200 Jahren noch aktuell

Große Grimm-Ausstellung im Heimathaus Traunstein – Traunsteiner Märchenwelt ist wieder zu sehen

Titelillustration zur »Kleinen Ausgabe« der »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm von Paul Meyerheim (1875). Foto: Brüder-Grimm-Gesellschaft Kassel
Lithographie von Paul Meyerheim zum Märchen Rotkäppchen (1875). Foto: Brüder-Grimm-Gesellschaft Kassel
Eine Szene aus der »Traunsteiner Märchenwelt«: Der Froschkönig, zu sehen in der Maximilianstraße.

Am 20. Dezember 1812 erschien die Erstausgabe der »Kinder- und Hausmärchen « der Gebrüder Grimm. Seitdem wurden sie in 160 Sprachen übersetzt und gehören seit 2005 zum Weltdokumentenerbe. Bis Weihnachten zeigt die Werbegemeinschaft Traunstein gemeinsam mit der Stadt Traunstein im Heimathaus eine große Grimm-Ausstellung.

Ob Dornröschen, die sieben Geißlein oder der Froschkönig – Kinder lauschen auch heute noch gebannt den 200 Jahre alten Erzählungen der Brüder Grimm. »Die Märchen boomen gerade wieder. Und es sind nicht nur die originalen Märchen, sondern auch ihre Bearbeitungen«, sagt Claudia Maria Pecher vom Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt. Damit meint sie etwa Kriminal- und Fantasyromane oder Detektivgeschichten, die mit Märchenfiguren spielen. »Das Märchen entwickelt sich immer weiter. Es passt sich den Kindern der aktuellen Generation an«, sagt die Literaturwissenschaftlerin. So würden Märchen mittlerweile auch in SMS-Form erscheinen.

»Das äußere Erscheinungsbild und die Sprache sind natürlich aus dem 19. Jahrhundert. Aber die Inhalte sind nach wie vor aktuell«, sagt Pecher. Die Märchen seien einfach zeitlos. »Sie sind so geschrieben, dass sie an keinen Ort und keine Zeit gebunden sind. Es gibt eine klare Einteilung von Gut und Böse und die Figuren und Räume sind schablonenartig. Deshalb kann man sich schnell damit identifizieren.«

Das beobachte sie auch heute noch bei Kindern der Kinder-Uni, denen die Grimm-Märchen vorgelesen werden. »Da merkt man ganz schnell, dass sie Interesse haben und sich begeistern lassen, egal ob die Sprache und Kulissen zeitgemäß sind oder nicht.« Den jungen Lesern sei bei einem Märchen sehr wichtig, dass es etwas Fantastisches an sich habe, gut verständlich sei und am Ende immer gut ausgehe.

Bedenken hat die Literaturwissenschaftlerin jedoch wegen der zunehmenden Digitalisierung der Grimm’schen Märchen für Smartphones und Tablet-PCs. Sie fürchtet, dass die Originale für die Apps so stark verkürzt oder verkitscht werden, dass sie die eigentliche Botschaft nicht mehr wiedergeben. »Es gibt nur sehr wenige Verlage, die hier auf die Texte Rücksicht nehmen. Viele andere Angebote sind wirklich bedenklich.« So werde die Chance vertan, dass Kinder ein breites literarisches Wissen aufbauen. Dass die Märchen eines Tages gar nicht mehr gelesen werden, fürchtet die Expertin indes nicht: »Das Märchenbuch verbindet seit Jahrhunderten Generationen miteinander. Das kennt die Oma noch, die Eltern haben es auch gelesen und deshalb sollen auch die Enkel die Märchen kennenlernen.« Auch in 30 Jahren würden die Märchen noch gelesen, ist sich Pecher sicher. »Vielleicht werden sie von einem kleineren Kreis gelesen, aber es wird sie noch geben.«

Aus Anlass des Jubiläums der Ersterscheinung der »Kinder- und Hausmärchen « vor 200 Jahren präsentieren die Stadt Traunstein und die Werbegemeinschaft zusammen im Heimathaus Traunstein die Wanderausstellung »Die Märchenwelt der Brüder Grimm – Illustrationen aus zwei Jahrhunderten«. Die Ausstellung ist bis 23. Dezember täglich von 13.30 Uhr bis 17 Uhr (auch Samstag und Sonntag) geöffnet. Ebenso zeigt die Werbegemeinschaft Traunstein wie schon in den vergangenen Jahren die »Traunsteiner Märchenwelt«. Dabei sind Szenen aus 23 verschiedenen Märchen mit circa 50 lebensgroßen Figuren an verschiedenen Häuserfassaden in der Innenstadt angebracht.

 

48/2012