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Jahrgang 2012 Nummer 32

Grabenstätt in Flammen

Vor 150 Jahren vernichtete ein Dorfbrand Grabenstätt

Ein Bild von Grabenstätt aus dem Jahre 1840
Grabenstätt vor dem ersten großen Brand, bei dem am 27. September 1834 in kurzer Zeit 57 Firste ein Raub der Flammen wurden. Auf Stein gezeichnet von J. B. Dilger, München
Grabenstätt in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts

Es war ein Mittwoch, der 30. Juli 1862 und ein heißer Tag. Schon seit Wochen hat es nicht mehr geregnet, was sich auf die Bauarbeiten der neuen Remise und des Pfarrstalls äußerst vorteilhaft ausgewirkt hat. Heute wird sie fertig und Pfarrer Miesgang geht nach dem Mittagessen zur Baustelle, um Johann Franz, dem Grabenstätter Zimmermeister und seinen Arbeitern für die gute Arbeit zu danken. Er lässt 3 Gulden für ein Bier springen, dem man nach dem Aufräumen der Baustelle beim nahen Reitnerwirt auch fleißig zuspricht. 

»Moaster was ham ma denn als nachst‘s für a Baustell«, fragt der Brechei Hans über den Tisch. »Mit der Arbeit is net weit her, a paar kloane Sachan«, meint Meister Franz »am Bräusstadl g’hörn d’Schindeln umdeckt, guat, dass ma durch de Holzdächer allwei a weng a Arbat ham. Prost Manner, guat habts garbat, hoffentlich kimmt bald wieder a größerne Baustell«. »Prost Moaster, auf a gscheite Baustell«.

 Mitten unter dem schönsten Bierdiskurs, es geht gerade auf vier Uhr, läuten die Glocken der gegenüberliegenden Pfarrkirche. »Werd doch net der Papst gstorbn sei«, frotzelt der Moarhausl Lois. »Horch wias durchanander läuten«, meint ein anderer, »des san d’Feuerglocken«!

 Wie eine Granate schlägt diese Meldung ein und die Männer sind vor der Tür. Brandgeruch liegt in der Luft und man hört das entfernte Knistern von Feuer. Da schreit schon einer: »Beim Spendner brennt d’Strahhütten«. Und so war es.

 Beim Spendner war das Anwesen des Lohnkutschers Josef Böck, am westlichen Rand des Dorfplatzes gleich neben dem Reitnerwirt.

 In seiner Streuhütte haben die Kinder kochen gespielt, wollten Apfelküchel backen und haben ein kleines Feuer gemacht. Im Nu greifen die Flammen auf das gelagerte Stroh über und die Kinder laufen davon.

 Der Stadel brennt lichterloh und der rote Hahn sitzt auch schon auf dem Wohnhaus.

 So viel die Zimmerleute, wie auch die gesamte herbeieilende Bevölkerung vom nahen Dorfbrunnen mit Eimern und Schäffeln Wasser schleppen, das Feuer greift immer weiter um sich.

 Schon züngelten Flammen auf den Holzdächern der Nachbarhäuser und man sah  die Vergeblichkeit der Löschversuche.

 Von der großen Brandkatastrophe die im September 1834 in Grabenstätt siebenundfünzig Firste vernichtet hatte, wusste man wie schlimm es kommen kann.

 Damals brannten die Wohnhäuser, die im oberen Teil meist nur aus Holz gebaut, mit Holzschindeln gedeckt und mit hölzernen Riesenböden ausgestattet waren, mit dem gesamten Inventar bis auf die Grundmauern nieder.

 Auch die neuen Häuser hatten Holzschindeln und Holzböden und so begann man nun die unmittelbar am Brandherd liegenden Häuser auszuräumen. Einrichtung, Kleidung und Hausrat wurde auf dem Dorfplatz gelagert.

 Zum Glück kommt Hilfe aus den umliegenden Dörfern. Als erstes waren die Erlstätter mit ihrer Abrotz Feuerspritze und bald darauf die Vachendorfer mit ihrer Pumpe am Brandort. Nach und nach kamen Hilfsmannschaften mit handbetriebenen Feuerspritzen aus Chieming, Übersee und Grassau und der Löschtrupp von der Maxhütte Bergen. Der Spendterwirt aus Vachendorf, Franz Xaver Steffel verständigte die Traunsteiner Turner die den Feuerwehrtrupp stellten, nebst den »Salienenspritzer« von der Au.

 Durch den gemeinsamen Einsatz konnte der Brand auf den unteren Teil des Dorfes begrenzt werden, der allerdings ein Raub der Flammen wurde.

 Als gegen Abend die meisten Brände gelöscht bzw. unter Kontrolle waren, fingen die verschont gebliebenen Bürger an, ihre Häuser wieder einzuräumen.

 Da kam gegen 6 Uhr Abend ein orkanartiger Westwind auf, der die Glut erneut entfachte.

 Der Wind verteilte die brennenden Holzschindeln von Dach zu Dach, so dass, in kürzester Zeit das ganze Dorf brannte.

 Die dabei entstehende Hitze löste einen zusätzlich gewaltigen Feuersturm aus.

 Nicht nur loderndes Heu und Stroh, sondern auch schwere brennende Dachhölzer wurden durch die Luft geschleudert und machte die Feuerbekämpfung zu einem lebensgefährlichen Unterfangen.

 Vier Stunden wütete das Feuer und vernichtete das Schloss, die neuerbaute Brauerei, Turm und Dachstuhl der Johanniskirche, das Schulhaus, sowie 52 Wohnhäuser und 23 Nebengebäude.

 Durch den mutigen Einsatz der Traunsteiner Wehrmänner und der Spritzenmannschaften der Nachbardörfer konnte die neu erbaute Pfarrkirche, der Pfarrhof und 12 Wohnhäuser gerettet werden.

 Wie durch ein Wunder war kein Menschenleben zu beklagen, aber 24 Rinder und 2 Pferde kamen in den Flammen um. Die Not der Menschen war unbeschreiblich. Wie schon 28 Jahre vorher waren die Häuser bis auf die Grundmauern ab- und ausgebrannt und die meisten Brandleider hatten buchstäblich nur noch das, was sie auf dem Leibe trugen.

 Es setzte aber nicht nur aus der näheren Umgebung, sondern aus ganz Bayern eine Welle der Hilfsbereitschaft ein, wie es die Grabenstätter nicht für möglich gehalten hätten. So konnten bei Anbruch des Winters wieder viele Familien ihre, wenn auch noch nicht fertigen, Häusern bewohnen.

  

Gustl Lex

 

Quellen:

Traunsteiner Wochenblatt

Geschichts-und Häuserbuch Grabenstätt

Handschriftliche Notiz von Zimmermeister Schmid, Gemeindearchiv Grabenstätt

 

 

32/2012