Jahrgang 2020 Nummer 43

Gottselige Armella Nicolas, Jungfrau und Dienstmagd

Aus dem Buch: »Illustrierte Heiligen-Legende für Schule und Haus«, erschienen im Jahre 1890

Armella (= hurtig) Nicolas wurde 1606 zu Campenac in Frankreich geboren. Die Eltern waren arme, jedoch fromme Bauersleute. Die Mutter lehrte sie, wie man Gott in der Natur betrachten könne, was ihr ungemein nützlich und tröstlich wurde. Sie hütete das Vieh und kam an einige Orte in Dienst, zuletzt bei einem Edelmanne zu Cannes, wo sie 35 Jahre blieb, bis zu ihrem Tode. Armella hatte nicht lesen gelernt. Sie wurde jedoch mit himmlischen Erleuchtungen und Erscheinungen beglückt (siehe Bild). Sie gelobte Gott ihre Jungfräulichkeit und vereinigte alle ihre Arbeiten und Beschwerden mit dem Leiden Jesu. Ihren geringen Lohn gab sie den Armen und pflegte Kranke, soviel es ihr möglich war. Die fromme Jungfrau war gefällig, fleißig, treu, gehorsam, demütig, anspruchslos, geduldig, sittsam und verschwiegen. Alle ihre Worte dienten zur Erbauung. Eine böse Nebendienstmagd wurde auf ihr Bitten wieder behalten und von ihr in schwerer Krankheit liebreich gepflegt, wiewohl sie von ihr neue Misshandlungen erlitten hatte. Von der gottseligen Armella stammen die Schule der Liebe Gottes und die geistliche Hausmagd. Schon war sie 60 Jahre alt; da schlug ihr ein Pferd einen Fuß ab, weshalb sie 15 Monate leiden musste und dann nur mehr an einer Krücke mühsam gehen konnte. Die fromme Dienerin Gottes schied aus diesem Leben, den Namen Jesus auf den Lippen, am 24. Oktober 1671 im Alter von 65 Jahren. Ihr Leib wurde in der Kapelle des Ursulinerinnenklosters zu Cannes begraben.

Lehre der gottseligen Armella: »Ich finde keinen Stand in der Welt, der mir lieber wäre (als der Dienstbotenstand); denn da kann man, ohne von jemand geachtet zu werden, ruhig dahin leben. Ist das nicht eine vortreffliche Schule der Demut? Sollten sich nicht alle Mägde in diesem Stande glücklich schätzen? – Lasset uns treu sein! Denn die Treue vereinigt uns mit Gott, und die Untreue trennt uns von ihm«.

Gebet. O Gott! der du deine fromme Dienerin Armella belehrt hast, wie sie alles aus Liebe zu dir tun oder leiden könnte: gewähre uns deine Erleuchtung und Gnade, dass wir stets deiner gedenken und alles aus Liebe zu dir vollbringen und ertragen. Amen.

 

Die Texte unserer »Heiligen-Legende« stammen alle (wie im Titel angegeben) aus dem Jahr 1890 und geben die Ansichten der damaligen Zeit wieder. Oftmals wurden damals Beschuldigungen gegen Juden oder andere Glaubensgruppen erhoben, die nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis nicht haltbar sind. Wir möchten daher klar stellen, dass die Texte unter diesen Gegebenheiten zu sehen sind und weisen darauf hin, dass mit der Veröffentlichung dieser Originaltexte keineswegs volksverhetzende Propaganda unsererseits betrieben werden soll.

 

43/2020

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