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Jahrgang 2013 Nummer 25

Gold und Silber im Erzstift Salzburg

Sakrale und profane Kunst im Bergbaumuseum Leogang

Flügelaltärchen mit Reliquien aus Mariapfarr aus dem Jahre 1443.
Goldener Kelch aus Rauris.
Gotisches Kreuz aus der Pfarrei Fusch.
Goldgulden mit St. Rupert.

»Gold und Silber lieb' ich sehr« - dieser Anfangsvers aus einem alten Volkslied fällt einem ein, wenn man die Ausstellung »Gold und Silber im Erzstift Salzburg« im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang bei Saalfelden besucht. Die Salzburger Landesherren – Erzbischöfe und Fürsten in einer Person – profitierten jahrhundertelang vom Gold- und Silberbergbau in den Hohen Tauern, vor allem in Gastein und Rauris. Er wurde von privaten Unternehmern, den Gewerken betrieben, die dem Landesherrn eine Pflichtabgabe abzuliefern hatten.

Die Förderung unterlag jedoch großen Schwankungen. Höhepunkt war das Jahr 1557 mit einer Produktion von 830 Kilogramm Gold und 2723 Kilogramm Silber. Die Bergknappen konnten sich der besonderen Gunst des Landesherrn erfreuen und genossen wegen ihrer Unentbehrlichkeit bestimmte Privilegien. Auch in Sachen Religion. Während die Protestanten im Erzstift Salzburg unterdrückt wurden und schließlich sogar das Land verlassen mussten, wurden sie im Bergwesen geduldet, ja sie erhielten unter dem Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau sogar einen eigenen Friedhof in der Nähe von Hofgastein zugebilligt.

Wolf Dietrich war es auch, unter dem die Goldschmiedekunst in Salzburg zur höchsten Blüte gelangte. Leider sind aus dieser Zeit nur wenige Gold- und Silberarbeiten im Domschatz erhalten geblieben. Viele verschwanden während der politischen Wirren zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als sich Franzosen, Bayern und Österreicher als Besatzungsmächte abwechselten. Erst im Jahre 1994 wurden 65 hochkarätige Salzburger Goldschmiedearbeiten in Italien wieder entdeckt, und zwar in Florenz im Palazzo Pitti, wo sie heute als »Tesoro di Salisburgo« separat ausgestellt sind.

Die Salzburger Gold- und Silberschmiede arbeiteten vorzugsweise für kirchliche Auftraggeber, in erster Linie für den Erzbischof. Es entstanden Messkelche, Monstranzen, Ziborien und andere Altargeräte, für reiche Bürger auch Ringe, Halsketten, Trinkschalen, Krüge und Gürtelschließen. Ende des 16. Jahrhunderts lebten in Salzburg 95 registrierte Gold- und Silberschmiede, darunter viele Zuwanderer aus den Nachbarländern. Hundert Jahre später war ihre Zahl auf zwei Werkstätten gesunken. Der Materialund Auftragsmangel führte dazu, dass Goldschmiede auch als Bildhauer, Graphiker, Edelsteinschneider und Metallgießer arbeiten mussten, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

Bei der bis Ende Oktober zugänglichen Ausstellung im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang sieht man eine feine Auswahl kunstvoller Gold- und Silberarbeiten, darunter ein wunderschönes Flügelaltärchen aus Mariapfarr aus dem Jahre 1443. Dazu kommen Münzen des Erzstifts aus verschiedenen Epochen. Interessant ist die Goldmünze des Erzbischofs Sigismund von Volkersdorf (um 1450), auf der nach Aussage von Kustos Hermann Mayrhofer erstmals der Landespatron St. Rupert mit den bischöflichen Insignien Mitra und Stab dargestellt ist.


Julius Bittmann

 

25/2013