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Jahrgang 2004 Nummer 1

Geweihte Kreide und üppige Kuchen zum Dreikönigstag

Der 6. Januar ist heute nur noch in wenigen Bundesländern als gesetzlicher Feiertag im Kalender

Während der Dreikönigstag früher einer der wichtigsten Feiertage war, steht der 6. Januar heute nur noch in einigen wenigen Bundesländern als gesetzlicher Feiertag im Kalender. Das traditionelle Dreikönigsbrauchtum, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon im Schwinden begriffen war, wurde aber in den letzten Jahrzehnten neu belebt. Seither erfreut sich vornehmlich das Sternsingen - unter kirchlicher Regie mittlerweile zu einer karitativen Institution geworden - zunehmender Beliebtheit.

Mit kirchlichem Segen ausgesandt, ziehen als »Heilige drei Könige« verkleidete Kinder und Jugendliche von Haus zu Haus, um nach alter Sitte zum neuen Jahr gereimte Segenswünsche zu überbringen und Dreikönigslieder zu singen. Zum Zeichen dafür, dass sie ihre Aufwartung gemacht haben, schreiben sie mit geweihter Kreide die Buchstaben »C + M + B« sowie die jeweilige Jahreszahl an die Haustür.

Im Volksmund als Namenskürzel für die seit dem 9. Jahrhundert als Caspar, Melchior und Balthasar benannten Heiligen drei Könige interpretiert, stehen die drei Buchstaben eigentlich für den alten lateinischen Spruch »Christus segne dieses Hauses«. Volkstümlicher Überlieferung zu Folge soll dieser Segen ein ganzes Jahr lang Krankheit und sonstiges Unheil von den Bewohnern fern halten.

In früheren Zeiten waren es nur besonders autorisierte Personen wie der Schulmeister oder der Gemeindepfarrer, die diesen Segen überbrachten. Dabei durften ihnen beispielsweise die Ministranten allenfalls assistieren: Sie schwenkten den Weihrauchkessel, trugen den Stern, sangen und sammelten die Gaben ein. Weniger offiziell ging es auf abgelegenen Weilern oder Bergbauernhöfen zu. Dort war es der Hausvater, der zu Dreikönig die Kehrschaufel oder das Bügeleisen nahm, mit glühenden Kohlen oder Holzstücken, mit Weihrauch, Wacholder oder geweihten Kräutern in Begleitung der ganzen Familie betend durch Haus und Stall zog.

Heidnisches und christliches Brauchtum waren auch zu Dreikönig stets eng miteinander verwoben. Bei den eigens hierfür gebackenen Kuchen ging es recht üppig zu, wobei weder an den Zutaten für den Teig noch an Zuckerguss, Marzipan oder Schokolade gespart wurde. Häufig in Form einer Krone gebacken oder mit einer Krone aus Goldfolie verziert, war dieser Königskuchen Mittelpunkt eines fröhlichen Festes im Familien- oder Freundeskreis.

Das Besondere an den von der Rezeptur her sehr unterschiedlichen Kuchen waren die in den Teig eingebackenen Bohnen. Sie machten ihren Finder für einen ganzen Tag lang zum König und damit zur Ton angebenden Person, der man überdies eine gewisse Narrenfreiheit zugestand.

Vornehmlich in Süddeutschland und in Österreich wurden bereits am Dreikönigstag die Weichen in Richtung Fastnacht gestellt. Die Hausfrauen begannen große Mengen von fetten, heißen Küchelchen und Krapfen auszubacken, die üblicherweise in die Karnevalszeit gehören.

HM



1/2004